Donnerstag, 25. August 2016

"Gelber Krokus" von Laila Ibrahim

"Mattie hat niemals wirklich mir gehört. Diese Erkenntnis muss mich genauso schnell und sicher erfüllt haben wie die Milch aus ihren Brüsten. Obwohl sie meiner Familie "gehörte", obwohl sie der Mittelpunkt meines Universums war, lag ihre eigentliche Zuneigung doch woanders. Und so entwickelte sich gleichzeitig mit einem Gefühl der Geborgenheit auch die Furcht, sie eines Tages zu verlieren. Dies ist unsere Geschichte."


"Gelber Krokus" von Laila Ibrahim

Verlag: AmazonCrossing (2015)
Format: Ebook, 266 Seiten
ISBN: 978-1-503-94451-0
Preis: 4,99 € [D] 
Originaltitel: Yellow Crocus (2014)

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Klappentext


Bereits Augenblicke nachdem Lisbeth geboren ist, wird sie ihrer Mutter weggenommen und Mattie übergeben, einer jungen Sklavin, die man von ihrem eigenen Kind getrennt hat, damit sie dem Baby als Amme dienen kann. So beginnt eine intensive Beziehung, die das Leben der beiden Frauen auf Jahrzehnte hinaus prägen wird. Obwohl Lisbeth ein privilegiertes Leben führt, findet sie bei ihrer überforderten Mutter und ihrem distanzierten Vater, der Sklaven hält, nichts als Einsamkeit. Im Laufe der Zeit wird immer mehr Mattie zu ihrer Familie. Die Besuche des Mädchens in den Sklavenunterkünften – und der lebendigen und liebevollen Gemeinschaft – schweißen die beiden noch mehr zusammen. Aber können zwei Frauen unter derartig unterschiedlichen Bedingungen ein solch enges Band schmieden, ohne dass es Folgen hat? Diese tief bewegende Geschichte einer ungewöhnlichen Beziehung folgt den beiden sehr unterschiedlichen Frauen auf ihrer Suche nach Freiheit und Würde. (Quelle)
 

Meine Meinung


Ich habe nun eine ganze Weile nichts von mir hören lassen und die Lektüre dieses Romans ist auch schon ein paar Wochen her. Dennoch wollte ich sie nicht unter den Tisch fallen lassen und möchte daher kurz einige Gedanken mit euch teilen, an die ich mich erinnern kann.

Wer mich kennt weiß, dass ich Bücher dieser Art sehr gerne lese. Gelber Krokus stand schon lange auf meine Wunschliste und als es für kurze Zeit reduziert erhältlich war, schlug ich zu. Es hat mir dann auch gut gefallen, entsprach von der Handlung her jedoch nicht ganz meinen Vorstellungen.

Im Gegensatz zu Redfield Farm, das der Underground Railroad angehörige Farmer im Blick hat, wird in Gelber Krokus das Verhältnis der Sklaven zu den weißen Gutsbesitzern und deren Familien betrachtet. Die junge Sklavin Mattie, die gerade Mutter geworden ist, wird vom Feld abbeordert um künftig Amme für die neugeborene Lisbeth zu sein. Ihren eigenen kleinen Sohn muss sie bei ihrer Familie zurücklassen und darf ihn nur noch selten sehen. Stattdessen wird Lisbeth zum Mittelpunkt ihres Lebens.

Ibrahim hat die Widersprüchlichkeit dieses Verhältnisses, das zur damaligen Zeit im Süden der USA üblich war, meiner Meinung nach sehr gut dargestellt. Schwarze Sklaven galten als minderwertig, dennoch säugten sie die Babys der Weißen und zogen sie auf. Die Familienverhältnisse der Sklaven wurden dabei nicht berücksichtigt und wenn einmal ein Besuchstag eingeräumt wurde, dann wurde dies gleich als große Wohltat dargestellt. Auch der Druck, der auf die Töchter der Gutsherren ausgeübt wurde, wird in diesem Roman thematisiert, die Erziehung zu unterwürfigen Hausfrauen, die dann möglichst gewinnbringend verheiratet werden sollten.

Lisbeth befindet sich fast während des ganzen Romans zwischen den Fronten. Sie liebt Mattie und auch deren Familie, dennoch folgt sie, vor allem in jungen Jahren, den Vorschriften ihrer Eltern und zeigt stellenweise sogar, dass deren Erziehung gefruchtet hat. Ich persönlich hatte erwartet, dass sie schon recht früh gegen die Zustände rebellieren würde, doch sie befand sich zu tief in dem Netz, das ihre Familie und die Gesellschaft gewebt hatten. Stattdessen trennen sich ihrer und Matties Weg unerwartet und fortan begleitet der Leser Lisbeth auf dem Weg ihrer Emanzipation.

Dadurch liegt meinem Empfinden nach der Schwerpunkt der Erzählungen auf der Geschichte Lisbeths, was ich aber nicht als unangenehm empfand, denn der Einfluss Matties ist ständig spürbar und Ibrahim lässt den Leser über ihr Schicksal nicht im Ungewissen. Am Ende standen mir sogar ein paar Tränen in den Augen...

Insgesamt haben mir Handlung und Geschichte gut gefallen, auch wenn ich mit Anderem gerechnet hatte. Der Schreibstil war hingegen weniger mein Fall. Die Sätze erschienen mir oft plump und irgendwie zu kurz, aber das ist natürlich Geschmackssache. Ich vergebe daher dennoch 4 von 5 Wolken.

Dienstag, 9. August 2016

Gemeinsam Lesen #28 - Die Wächter von Avalon

Jeden Dienstag bei Schlunzen-Bücher

Meine Güte ist hier viel passiert in letzter Zeit... es ist nur ein paar Tage her, seit ich zuletzt gepostet habe, aber mittlerweile hat sich einiges geändert. Nicht nur positiv. Allerdings habe ich jetzt wieder genug Zeit, die ich meinen Büchern und meinem Blog widmen kann, denn ich werde meine Abschlussprüfungen aus verschiedenen Gründen erst im nächsten Jahr antreten. Daher komme ich auch mit meiner aktuellen Lektüre sehr gut voran, die ich euch heute vorstellen möchte.

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese zum Einen Harry Potter und die Kammer des Schreckens von J.K. Rowling und bin auf Seite 109 von 352. Außerdem lese ich Die Wächter von Avalon. Die Prophezeiung von Amanda Koch, wo ich auf Seite 224 von 409 bin. 

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

Harry Potter: "In den nächsten Tagen war Harry hauptsächlich damit beschäftigt, rasch abzutauchen, wenn er Gilderoy Lockhart herumstolzieren sah.

Die Wächter von Avalon: "Nur langsam vergingen die Stunden, die Esmé in York verbrachte."


3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Zu Harry Potter muss ich ja wohl nicht viel sagen! Der Reread ist in aller Munde und ich habe bisher neidisch zugeschaut, denn wenn man eigentlich lernen sollte, ist eine siebenbändige Reihe wohl nicht ganz das Richtige. Doch jetzt habe ich Zeit und bin auf den Zug (bzw. den Hogwarts-Express) mit aufgesprungen.

Gleichzeitig lese ich mein Rezensionsexemplar des ersten Bandes der Reihe Die Wächter von Avalon, das mir der Familia-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Das Buch hat ein sehr hübsches Cover, aber ohne den Einband finde ich es fast noch schöner, denn ich liebe die Farbe und die silberne Prägung! 

Der Einstieg in das Buch fiel mir ein wenig schwer und kam mir recht holprig vor. Doch mittlerweile habe ich mich an den Schreibstil gewöhnt und auch die Story kommt langsam ins Laufen. Man merkt schnell, dass es sich um einen Fantasy-Roman für Jugendliche handelt, doch das wusste ich vorher und darauf hatte ich mich auch eingestellt. 

Die Protagonistin ist mir bisher noch nicht so wirklich sympathisch, was aber auch daran liegen kann, dass sie selbst nicht weiß, wer sie ist. Raven mochte ich hingegen von Anfang an und seltsamerweise habe ich ein ganz genaues Bild von ihm in meinem Kopf.

Ich bin gespannt, wie es weiter geht, denn die Lage spitzt sich zu und es wird zunehmend spannend.    


4. Gibt es ungelesene Bücher in eurem Regal, die ihr nicht zu eurem SuB zählt?

Wie ihr vielleicht wisst habe ich derzeit überhaupt kein Regal, in dem alle meine Bücher stehen. Die meisten meiner Schätze sind im Schrank in 4 Reihen hintereinander gestapelt bzw. in Kisten verpackt. Ich habe daher momentan überhaupt keinen Überblick über meinen SuB und habe auch die Seite dazu von meinem Blog genommen. Ich kaufe zwar momentan kaum Bücher und mein SuB wächst daher nicht wirklich. Aber ich vor einer Weile einen ganzen Schwung Bücher geschenkt bekommen und diese sind definitiv nicht auf meiner alten SuB-Liste verzeichnet. Sobald ich mal wieder ausreichend lange an einem Ort mit viel Platz für ein Bücherregal wohne, wird eine ausführliche Liste erstellt. Auch ausmisten werde ich dann, denn es gibt doch viele Bücher in meinem Besitz, die ich gerne weitergeben möchte.

Übrigens: Auch Ebooks zähle ich nicht zu meinem SuB, das habe ich noch nie. Irgendwie fühlt es sich doch anders an, ob man ein tatsächliches Buch aus Papier und Pappe besitzt oder nur eine Datei auf einem Gerät...

Donnerstag, 28. Juli 2016

"Vielleicht mag ich dich morgen" von Mhairi McFarlane

"Für Annas körperliche Verwandlung gab es eigentlich keinen geläufigen Ausdruck, der gepasst hätte. Wenn sie untertrieb und etwa sagte: "Ich war früher pummelig." Oder: "Ich bin erst nach der Uni so richtig aufgeblüht." Oder: "Ich war mal ein hässliches Entlein", dann nickten die Leute und erwiderten: "Oh, das war bei mir genauso. Ich hab mich auch erst mit Mitte zwanzig so richtig entfaltet." Aber was, wenn man plötzlich ganz anders aussah?"


"Vielleicht mag ich dich morgen" von Mhairi McFarlane

Verlag: Argon (2015)
Format: Hörbuch, 7Stunden, 23 Minuten
ISBN: 978-3-8398-1393-5
Preis: 12,95 € [D] 

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Inhalt


Annas Schulzeit war die Hölle, doch Jahre später, als erfolgreiche und viele Kilos leichtere junge Frau kann sie mit der Schmach von damals umgehen. Nur den Richtigen hat sie noch nicht gefunden. Da begegnet sie auf einem Klassentreffen ihrem früheren Schwarm und Peiniger James, welcher sie jedoch nicht erkennt. Anna ergreift die Flucht. Doch ein Unglück kommt selten allein. Für ein Museumsprojekt wird ihr James als Vertreter einer Medienfirma an die Seite gestellt. Doch der hat keine Ahnung, warum die hübsche und intelligente Frau ihn auf den Tod nicht ausstehen kann...


Meine Meinung


Es fällt mir schwer, etwas über diesen Roman zu schreiben, da ich das Hörbuch über einen ziemlich langen Zeitraum immer nur häppchenweise gehört habe. Dennoch möchte ich ein paar Gedanken dazu mit euch teilen.

Zunächsteinmal zum Grund dafür, dass ich dieses Buch gehört habe: wieder einmal die äußerst angenehme Stimme, die bei mir immer autotauglich sein muss. Britta Steffenhagen erfüllte dieses Kriterium, hat aber noch einige andere Qualitäten. Durch kleinste Variationen in der Stimme schafft sie ein dreidimensionales Hörerlebnis, bei dem man jeden Charakter bereits an der Stimme erkennt. Auch Stimmungen bringt Steffenhagen authentisch rüber, sodass man einfach nur gerne zuhört und sich mitten in das Buch hineingeworfen fühlt.

Auch die Story fand ich gut, auch wenn ich solche Geschichten eher selten lese bzw. höre. Äußerst positiv fand ich, dass die Handlung nicht nach dem typischen 0815-Muster verläuft (zum Beispiel verliebt sich James nicht sofort unsterblich in Anna) und es auch einige Nebenhandlungen gibt, die das Buch einfärben. Besonders spannend fand ich die von der geplanten Hochzeit von Annas Schwester, bei der so einige Problemchen auftauchen...

Es hat mich ein klein wenig gestört, dass alle so auf dem Schlauch stehen und auch James' Charakter fand ich zwischenzeitlich nicht konsitent. Sein Verhalten während und in der Zeit nach der "Enthüllung" konnte ich teilweise überhaupt nicht nachvollziehen und ich hätte ihm gerne in den Hintern getreten. Auch, warum er so lange mit Lawrence, dem obligatorischen Macho-Arsch, befreundet ist, konnte ich nicht verstehen. Der Gerechtigkeit halber muss ich sagen, dass es mir mit Anna auch manchmal so ging, aber ihr Verhalten baut immerhin auf den Erfahrungen auf, die sie gemacht hat, und waren so zumindest verständlicher. Sie war mir nicht wirklich sympathisch, aber ich verstand sie, ihre Haltung und ihre Sicht der Dinge.

Weniger gestört als erwartet hat mich Annas Verwandlung vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan, denn sie wurde nicht beschönigend oder übertrieben dargestellt. Trotz Annas äußerer Veränderung bleibt sie auf dem Teppich und zwar in dem Sinne, dass sie sich ihrer Attraktivität gar nicht bewusst ist und innerlich noch immer das Mädchen von damals ist. Sie ist unsicher und hat kaum Selbstbewusstsein - und das fand ich sympathisch, wenn man bedenkt, dass uns in den Medien immer "schön und schlank = selbstbewusst und cool" vorgegaukelt wird. Eine Falle, in die auch Autorinnen und Autoren öfter tappen.

Insgesamt fand ich Vielleicht mag ich dich morgen ganz nett, war aber nicht so sehr davon gefesselt, dass ich nicht mehr aufhören konnte zu hören. Es handelt sich um ein nettes und recht anspruchsloses Buch für zwischendurch, das dennoch mit einigen unvorhersehbaren Überraschungen und dramatischen Enthüllungen punkten kann. Ich vergebe 3 von 5 Wolken.

Dienstag, 26. Juli 2016

Gemeinsam Lesen #27 - Geschichte des Fräuleins von Sternheim

Jeden Dienstag bei Schlunzen-Bücher

Ohne viele Worte geht es heute gleich zur Sache ;)

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese die Geschichte des Fräuleins von Sternheim von Sophie von La Roche und bin bei 21 %.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

"Alles, was Sie in meinem letztern Briefe gesehen haben, ist, da? Mylord Seymour seine beste Freundin in mir gefunden hat; und mein lieber Pflegevater betet für mich, weil es für menschliche Kräfte das einzige ist, das man nun für mich tun kann."

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Ich habe mich eben auf Instagram schon darüber aufgeregt, dass ich von Sophie von La Roche noch nie in meinem Leben gehört habe - weder in der Schule, noch während meines Studiums - obwohl sie eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen des 18. Jahrhunderts ist und zudem die erste Frau Deutschlands, die vom Schreiben leben konnte. Wie kann es sein, dass stets nur Männer genannt werden, wenn man nach Schriftstellern und Werken verschiedener Epochen oder auch nach Komponisten fragt? Ich bin jedenfalls froh, dieser außergewöhnlich talentierten Frau endlich "begegnet" zu sein.

Ich muss jedoch dazu sagen, dass es nicht in erster Linie der Inhalt dieses Buches ist, der mich fasziniert. Obwohl sie mit Sophie eine starke und intelligente junge Frau geschaffen hat, bewegt sie sich im damals üblichen gesellschaftlichen Rahmen der Konventionen. Auch die Frauenzeitschrift, die La Roche später herausgibt, ist alles andere als revolutionär zu verstehen, denn La Roche lehnte gelehrte Bildung für Frauen ab und predigt "eine Erziehung der Mädchen auf den Mann hin, zur zukünftigen Ehefrau und Mutter."1 Trotzdem sei ihr Werk als Fortschritt zu verstehen.

Was ich jedoch so faszinierend finde, ist die Art, wie La Roche schreibt. So verwendet sie Stilmittel, die teilweise zu jener Zeit noch unbekannt waren. Es handelt sich bei Geschichte des Fräuleins von Sternheim um einen Briefroman, dennoch gibt es eine Erzählerstimme, die einleitende Worte zu den Briefen anführt. Briefe unterschiedlicher Verfasser weisen völlig unterschiedliche Schreibstile auf, so dass das Buch überraschend vielschichtig und mehrdimensional ist. Auch die Charaktere können dadurch besonders gut geformt werden. Die Psychologisierung der Romanfiguren, die bis dahin in deutschen Romanen wohl völlig unbekannt war, setzte völlig neue Impulse für kommende Werke deutscher Literatur.2

Ich bin noch nicht besonders weit gekommen, aber jetzt schon fasziniert von La Roches Talent. Ich bin gespannt, wie es weitergeht, denn Inhaltsangaben zufolge wird es noch äußerst dramatisch zugehen.

4. Bekommt ein pausiertes oder abgebrochenes Buch bei dir noch mal eine Chance?

Abgebrochene Bücher bekommen bei mir in der Regel keine zweite Chance, denn ich habe sie mit gutem Grund abgebrochen. Es wäre zwar theoretisch schon möglich, dass sie mir Jahre später doch gefallen, aber meistens halten mich dann die schlechten Erinnerungen an das entsprechende Buch von einem weiteren Versuch ab. Pausierte Bücher lege ich zwar stets mit dem Gedanken weg, dass ich bald weiterlesen werde, doch eigentlich ist das sehr selten der Fall. Bei solchen Büchern ist es so, dass ich sie zwar ganz gut finde, eine Durststrecke aber nicht länger aushalten kann. Auch dieses Wissen blockiert mich, wenn ich später daran denke, weiterzulesen. Außerdem habe ich dann meist bereits vergessen, was bisher geschah, und so verstaubt das Buch dann doch im Regal. Daher lese ich Bücher normalerweise auch am Stück und breche nur selten eines ab - ich kenne mich einfach zu gut.


1Maurer, Doris: Porträt. Keiner konnte sich der Tränen enthalten. In: DIE ZEIT. 08.02.2007. http://www.zeit.de/2007/07/A-La-Roche 
2https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Fr%C3%A4uleins_von_Sternheim

Donnerstag, 21. Juli 2016

"Landsby" von Christine Millman

"An manchen Tagen fühle ich mich wie in einem Gefängnis. Einem finsteren Verlies aus diecken, unüberwindlichen Mauern. Vielleicht liegt es daran, dass ich vom Fenster meines Zimmers aus die Westmauer sehen kann, und mich immer frage, wie das Leben hinter den braungelben Steinquadern wohl sein mag. Vor allem jetzt, wo ich bald volljährig werde und der bescheuerte Gesundheitstest bevorsteht. Was ist, wenn ich eine Virusträgerin bin? Dann kann mich selbst mein Vater nicht retten, auch wenn er hundertmal der Kommandant der Neuen Armee ist."


"Landsby" von Christine Millman

Verlag: CreateSpace (2014)
Format: Ebook, ca. 346 Seiten
ISBN: 978-1499275162
Preis: 2,99 € [D] 
Teil 1 von 3

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Inhalt


Von Freiwilligkeit kann nicht wirklich die Rede sein, als Jule sich für das Reproduktionsprogramm der Kolonie meldet, doch sie fügt sich in ihr Schicksal. Bis sie feststellt, dass es hinter den Mauern der medizinischen Einrichtung nicht mit rechten Dingen zu geht. Sie flieht aus der Kolonie - doch welche Chance hat sie, da doch außerhalb der schützenden Mauern Krankheit und Mutanten lauern? Jule merkt jedoch schnell, dass die Geschichten, die sie von klein auf erzählt bekommen hat, nicht der Wahrheit entsprechen, denn sie wird von Mutanten entdeckt und mit in deren Dorf genommen. Und was sie dort erlebt übersteigt alles, was sie sich jemals vorgestellt hat.


Meine Meinung


Dieses Ebook war ein echter Glücksgriff, wie ich schon nach wenigen Seiten der Lektüre sagen konnte. Dafür sprachen natürlich bereits die interessante Inhaltsangabe und die vielen sehr guten Bewertungen, doch da ich nicht selten anderer Meinung bin als die breite Leserschaft, musste ich mich selbst davon überzeugen.

Außerhalb der vermeintlich schützenden Mauern der Kolonie lauern todbringende Mutanten, wie jedes Kind weiß. So auch die Protagonistin Jule, die Tochter des Kommandanten der Neuen Armee. Sein Status zwingt sie dazu, sich dem sogenannten Reproduktionsprogramm anzuschließen, einem medizinischen Programm, dem sich junge Frauen auf 10 Jahre verpflichten (können), während der sie ein ums andere Mal künstlich eingepflanzte Embryonen austragen. Dieser Einsatz ist verbunden mit hohem Ansehen und finanzieller Unterstützung für die Familie, was den Probandinnen, die während der Zeit den medizinischen Komplex nicht verlassen dürfen, herzlich wenig bringt. Allein die Vorstellung ist absurd, doch in einer postapokalyptischen Welt mit Kindermangel könnten ein paar Verrückte in entsprechenden Machtpositionen durchaus auf die Idee kommen, Frauen für einen solchen Zweck zu rekrutieren. Nur: Nachwuchs ist gar nicht das eigentliche Ziel des Programmes...

Ich fand es faszinierend, wie sich nach und nach die Zusammenhänge ergeben haben. Wie ich gemeinsam mit Jule die schützende Kolonie verlassen habe und mich quasi in einer völlig neuen Welt befand. Ich konnte mich sehr gut in alles hineinversetzen, was sie erlebt hat, und ebenso konnte ich mich in die "Mutanten" hineinfühlen und spürte die Ungerechtigkeit, die ihnen widerfahren war. Das alles ist Millman gelungen, ohne kitschig oder klischeehaft zu wirken. Jule und die anderen Charaktere wirken überaus authentisch und mir hat besonders gefallen, dass Jule ein Mensch mit Schwächen ist, die sie gar nicht zu verbergen versucht. Nichts ist schlimmer als eine rundum perfekte Romanfigur.

Millmans Schreibstil aus der Sicht der Protagonistin ist angenehm locker, vermittelt aber dennoch den nötigen Ernst, der in der Story mitschwingt. Von Anfang an war ich gefesselt von der nicht neuen Idee einer dystopischen Ansiedlung nach dem Ende der Welt, wie wir sie kennen, die Millman mit einigen neuen Elementen vermischt hat. Sie geht dabei nicht geradlinig vor, sondern arbeitet mit Fehlschlägen und Intrigen, sodass man immer wieder von den Wendungen überrascht wird und in einigen Fällen wirklich nicht voraussehen kann, was passieren wird.

Ein wenig enttäuscht war ich von den Namen. "Jule" und "Paul" wären nicht meine erste Wahl, würde ich einen solchen Roman schreiben, doch andererseits vermitteln diese Name den Wunsch der Menschen nach Normalität und die Hoffnung auf ein Leben, das dem von der Zeit vor dem Ende der Welt ähnelt. Auch, dass sich Jule und ihre Freunde anfangs wie "normale" Teenager benehmen - Pilze, Rebellion und heimlicher Sex -, hat einen bittersüßen Beigeschmack in dieser zerstörten Welt. Gemeinsam mit den immer wieder eingeworfen Zitaten darüber, dass die Menschen alles hatten und es nicht zu schätzen wussten, bietet Millman ihren Lesern reichlich Stoff zum Nachdenken.

"Die Menschen damals hatten alles und wussten es nicht zu schätzen." (Pos. 2280)
"Sie haben die Erde ausgebeutet, Kriege angezettelt und Atomkraftwerke gebaut, die nun ganze Landstriche unbewohnbar machen." (Pos. 2282)

"Die Menschen wussten um die Konsequenzen ihres Tuns und haben es trotzdem getan." (Pos. 2284)

Da es sich um ein selbst publiziertes Buch handelt, findet sich doch der ein oder andere Fehler, wovon jedoch keiner wirklich tragisch ist. Man hätte sicherlich noch einiges an dem Roman verbessern können, doch eigentlich finde ich ihn so, wie er ist, sehr sympathisch und ich wundere mich, warum ihm bisher nicht noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Hätte ich das Sagen in einem Verlag - ich würde mich um das Buch und die Fortsetzungen reißen! Ich vergebe 5 von 5 Wolken.

Dienstag, 19. Juli 2016

Gemeinsam Lesen #26 - Gelber Krokus

Jeden Dienstag bei Schlunzen-Bücher

Es ist kurz nach 12 und ich habe schon zwei Stunden gelernt. Yeah! Da macht eine kleine Pause zum Bloggen und im Internet surfen gleich doppelt so viel Spaß.

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese Gelber Krokus von Laila Ibrahim und bin bei 31%, dem Beginn des neunten Kapitels.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

"Dienstags und donnerstags genoss Mattie die Nachmittage."

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Das Buch stand schon lange auf meiner Wunschliste und als das Ebook kürzlich reduziert war, habe ich zugegriffen. Geschichten über die Zeit der Sklavenhaltung und die Zeit danach in den Südstaaten interessieren mich schon seit einigen Jahren brennend, und da hier auch noch das Leben zweier Frauen im Mittelpunkt steht, ist das Buch wie für mich gemacht. Ich fand auch schnell in die Geschichte hinein und war von Anfang an gefesselt.

Es ist unglaublich, wie die Lebensbedingungen der Sklaven zu jener Zeit waren und was sie alles erdulden mussten, nur weil sie als Menschen zweiter Klasse betrachtet wurden. Die zwanzigjährige Mattie hat selbst einen erst drei Monate alten Sohn als sie ins Herrenhaus gerufen wird, um Amme für die Tochter der Farmbesitzer zu werden - 24 Stunden am Tag. Haussklave zu werden wird von den Weißen als besonderes Privileg betrachtet, doch Mattie wäre viel lieber bei ihrer Familie. Immerhin darf sie diese jeden Sonntag sehen, und als ihr Schützling Lisbeth alt genug ist, darf sie mitkommen. Interessanterweise hält ihr Vater es für eine gute Idee, wenn sie die Lebensgewohnheiten der Sklaven kennenlernt - von dieser Einstellung war ich sehr überrascht, denn ich dachte, der Kontakt sollte auf ein Minimum reduziert werden. Aber die gesamte Idee der damaligen Zeit war ja schon wiedersprüchlich: Schwarze waren Menschen zweiter Klasse, aber gut genug, um die eigenen Babys zu stillen und sie quasi zu erziehen, da sie ja mit ihren Ammen die meiste Zeit verbrachten.

Ich kann mir schon denken, dass sich im Verlauf des Buches einige Probleme ergeben werden, denn Lisbeth zeigte von Anfang an eine rebellische Neigung. Bisher sind diese noch durchwoben von kindlich-naiven Ansichten (sie hofft, dass ihre Mutter ihr Mattie irgendwann "schenkt"), doch der Prolog lässt bereits erwarten, dass sich Lisbeths Zuneigung zu Mattie und ihrer Familie noch verstärken wird. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es weiter geht.

4. Bei Büchern aus einer Reihe gibt es am Ende des Buches oft ein Kapitel als Leseprobe vom nächsten Buch! Liest du sie oder bräuchtest du das nicht?

Ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung! Ich glaube, ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, bei dem am Ende eine Leseprobe vom nächsten Buch abgedruckt war. Und falls das irgendwann einmal der Fall gewesen sein sollte, weiß ich nicht, ob ich sie gelesen habe... Ich glaube, ich würde sie nicht lesen, außer vielleicht, das Buch läge schon auf meinem SuB. Überhaupt lese ich nur selten Leseproben. Ich beschränke mich üblicherweise auf Inhaltsangabe und/ oder Klappentext oder auf Rezensionen, aber mit Leseproben konnte ich noch nie viel anfangen.