Freitag, 13. Januar 2017

"Biss zum Morgengrauen" von Stephenie Meyer


"Biss zum Morgengrauen" von Stephenie Meyer

Verlag: Carlsen (2007)
Format: HC, 511 Seiten
ISBN: 978-3-551-58149-5
Preis: 19,99 € [D] 
Originaltitel: Titel (2006)
Aus dem Englischen von Karsten Kredel

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Inhalt



Bella zieht zu ihrem Vater in die regenreiche Stadt Forks. Dort begegnet sie dem geheimnisvollen Edward Cullen, der irgendwie anders als ihre anderen Mitschüler zu sein scheint. Wie recht sie mit dieser Ahnung hat, stellt sich heraus, als sie ihn näher kennenlernt: Edward ist ein Vampir. Ihre Liebe steht damit vor einem großen Hinderniss und Bella spielt Tag für Tag mit dem Feuer. Kann es für die beiden überhaupt eine Zukunft geben?


Meine Meinung


Ich gebe gerne zum Besten, wie ich dieses Buch damals, als es erschienen ist, noch in der Buchhandlungen bestellen musste, weil es nicht vorrätig war. Ich habe es seelig nach Hause getragen, innerhalb kürzester Zeit verschlungen und geliebt, doch wie es bei mir häufig geschieht, wenn etwas gehypet wird, verlor ich das Interesse daran, sobald die Filme erschienen und die Reihe in aller Munde war.

Ich muss sagen, ich finde die Filme ganz okay und sehe sie mir gerne an, wenn ich abschalten will - ich habe schon schlimmere Verfilmungen gesehen. Allerdings hat sich durch die Filme auch meine Erinnerung an die Bücher verändert und ich habe Ende letzten Jahres sogar mit dem Gedanken gespielt, sie auszusortieren. Das wollte ich jedoch nicht ohne einen Reread tun - und ich bin froh, mich dafür entschieden zu haben.

Biss zum Morgengrauen ist ein Jugendbuch, das den Nerv einer Generation getroffen hat, und ich kann sehr gut verstehen, warum. Schon damals, vor zehn Jahren, konnte ich mich sofort mit Bella identifizieren, denn sie ist ein Mädchen auf der Suche nach ihrem eigenen Weg. Sie hat das Gefühl, nirgendwo richtig hinein zu passen und verhält sich in vielen Bereichen unkonventionell. Gleichzeitig erlebt sie ein Abenteuer, das ich damals mit 17 selbst mit offenen Armen empfangen hätte. Okay, dieser Hauch von Hausmütterchen, der sie umgibt, wenn sie daheim für ihren Vater kocht und putzt ist etwas unangenehm, ebenso ihre absolute Abhängigkeit von Edward, welche man aber im Grunde mit der Ausstrahlung dieses Jägers erklären kann - natürlich ist seine "Beute" von ihm fasziniert. Aber angesischts dieses Umstands behält sich Bella doch einiges an Würde und Selbstbestimmung.

Edward war mir weit weniger sympathisch (ich glaube, dass ich ihn selbst beim ersten Lesen nicht wirklich mochte). Er erschien mir, genau wie seine Geschwister, arrogant und ein wenig selbstverliebt und seine Bevormundung von Bella ging mir gehörig auf den Zeiger. Doch dann versuchte ich, sein Leben einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten: Seit hundert Jahren hört er Tag ein, Tag aus die Gedanken aller Menschen um ihn herum, die sicherlich nicht immer die Cleversten waren. Mir platzt schon manchmal der Kragen, wenn ich manche Menschen reden höre - wie müsste es mir dann erst ergehen, wenn ich sie denken hören würde?? Ich würde mich wohl auch irgendwann zu Gleichgesinnten zurückziehen und mit den anderen so wenig wie möglich Kontakt haben wollen. Auch seine Skrupel Bellas Wunsch, eine von ihnen zu werden, verstehe ich von daher irgendwie und seien wir mal ehrlich - ohne diesen ständigen Machtkampf wären die Bücher wohl kaum zu dem geworden, was sie sind.

Die Umgebung konnte mich ebenfalls sofort wieder packen und obwohl ich ein absolutes Sommerkind bin und wohl nie im Leben freiwillig nach Forks gezogen wäre, genoss ich die Beschreibungen der trüben Regentage, der sattgrünen Wälder und der sturmumtosten Strände. Zudem ist eine solche Kombination von Werwölfen und Vampiren wohl einmalig (zumindest sind mir keine anderen Bücher dieser Art bekannt) und es hat mir gefallen, wie die Stärken und Schwächen der jeweiligen Spezies herausgearbeitet werden. Wobei, hier greife ich schon ein wenig voraus, denn die Werwölfe werden ja erst in den Folgebänden fokussiert.

Biss zum Morgengrauen hat viel Potenzial und wird heute sogar schon als Schullektüre benutzt. Was hätte ich darum gegeben, wenn ich zu meiner Schulzeit einen Aufsatz über diesen Roman hätte schreiben dürfen! Ich werde auf jeden Fall auch die Folgebände rereaden und mir vermutlich sogar noch den letzten Teil, den ich bisher nicht besitze und damals auf englisch gelesen habe, kaufen. Ich vergebe - selbst für mich sehr überraschend - 5 von 5 Wolken.

Montag, 2. Januar 2017

"Anders" von Anita Terpstra


"Anders" von Anita Terpstra

Verlag: Blanvalet (2016)
Format: TB, 383 Seiten
ISBN: 978-3-7341-0257-8
Preis: 9,99 € [D] 
Originaltitel: Anders (2014)

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Inhalt


Sechs Jahre sind vergangen, seit der damals elfjährige Sander zusammen mit einem Freund während eines Ferienlagers spurlos verschwindet. Kurz darauf wird die Leiche das anderen Jungen gefunden, doch Sander bleibt verschwunden - bis sich eines Tages ein junger Mann bei der Familie meldet und behauptet, Sander zu sein. Alle freuen sich, den totgeglaubten Sohn und Bruder wieder bei sich zu haben, doch allmählich entstehen auch Zweifel. Ist der junge Mann wirklich Sander? Und was ist in der verhängnisvollen Nacht wirklich geschehen?


Meine Meinung


Für (Psycho)Thriller konnte ich mich bisher nicht wirklich begeistern, doch vor einiger Zeit hat mich dann doch plötzlich die Lust darauf gepackt, sodass ich mich auf die Suche nach einem passenden Buch begab. Anders hat mich sowohl durch das Cover als auch durch den Klappentext sofort angesprochen und es hat sich dann auch als perfektes Buch für den Einstieg in die Welt der Thriller entpuppt - zumindest denke ich das, da ich ja noch nicht so viel Erfahrung mit dem Genre habe.

Bei Anders handelt sich um einen ruhigen und unblutigen Thriller, der jedoch mit viel Tiefgang und Gefühlsachterbahn aufwarten kann und mir den ein oder anderen Schauer über den Rücken gejagt hat. Ich konnte mich leicht in die Charaktere hineinversetzen, vor allem in die Mutter, und die Zerrischenheit der Familie sehr gut nachvollziehen: Einerseits die Freude über die Rückkehr des verlorenen Sohnes, andererseits die Zweifel an seiner Identität und die vielen Fragen über die vergangenen Jahre. Mir war schnell klar, dass etwas nicht stimmen konnte. Vor allem das Verhalten der großen Schwester warf Fragen auf, die ich unbedingt geklärt haben wollte, weshalb ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

Obwohl natürlich die Frage, wie und wo Sander die letzten Jahre verbracht hat, zunächst im Vordergrund steht, spielt Terpstra im Verlauf des Romans zunehmend mit der Frage, was für ein Mensch Sander vor seinem Verschwinden gewesen ist. In diesem Zusammenhang fand ich es faszinierend zu sehen, wie sehr Eltern manchmal ihre Augen verschließen vor dem, was eigentlich offensichtlich ist, und wie wenig sie doch häufig von der Wahrheit mitbekommen. Ich fühlte mich oft an meine eigene Kindheit erinnert, wo ich Ärger für etwas bekommen habe, was meine Schwester getan hat, nur weil sie eine gute Geschichte parat hatte, und umgekehrt, wobei die Streiche hier doch von einem ganz anderen Kaliber sind.

Die Auflösung des Rätsels schließlich ging mir sehr nahe und der Epilog hat dann tatsächlich noch einmal einen draufgesetzt. Ich konnte einfach nicht fassen, in welche Abgründe diese Familie schauen musste und mit welcher Last sie jahrelang leben musste.

Leider habe ich auch ein paar kleine Fehler entdeckt. So wird zum Beispiel erwähnt, dass Ernst, ein Verdächtiger, definitiv im Wald war, sogar bei der Suche nach den Kindern geholfen hat und von Sander gesehen wurde. Später heißt es dann, dass Sander niemals einen zweiten Mann erwähnt habe und man deshalb nicht sicher sein könne, ob Ernst im Wald gewesen ist. Auch fand ich Sanders Verhalten seltsam, sein ständiger Verweis darauf, dass er nicht über das Geschehene reden wolle, obwohl er dennoch immer wieder davon spricht. Selbst mit dem Wissen um das Ende erscheint mir das etwas seltsam.

Trotzdem habe ich dieses Buch sehr gerne und schnell gelesen. Es hat mich sehr beeindruckt und ich muss immer wieder an das Geschehene und vor allem den Schluss denken. Und das macht doch ein gutes Buch aus, oder? Anders wird sicherlich nicht mein letzter Thriller gewesen sein. Ich vergebe 4 von 5 Wolken und danke dem Verlag und dem Bloggerportal recht herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

Sonntag, 1. Januar 2017

Buchiger Jahresrückblick 2016



Meine Güte, wie schnell das Jahr wieder verging... 2016 war ein Jahr voller Höhen und Tiefen und rückblickend betrachtet gibt es nicht viel, woran ich mich gerne zurück erinnere. Auf der Party, auf der ich gestern war, wurden wir nach unseren Highlights gefragt und mir ist partout nichts eingefallen. Traurig oder? Obwohl, ich hätte gerne von der Freude erzählt, die ich seit Oktober an Bookstagram habe, aber ich glaube, das hätten die anderen nicht verstanden. Ist ja schon auch ein bisschen verrückt, dass man jeden Tag Bücher fotografiert, diese dann teilt und sich über jedes Like freut wie ein Schneekönig :D

Büchertechnisch ist 2016 jedoch das beste Jahr seit Beginn meiner Aufzeichnungen gewesen, denn ich habe erstmals mehr 5 als 4 Wolken vergeben. Ingesamt habe ich 65 Bücher gelesen, darunter 2 Hörbücher sowie zahlreiche Rereads. Ich bin zufrieden mit der Bilanz, denn ich hatte mit wesentlich weniger Büchern gerechnet, da ich dieses Jahr meine Zulassungsarbeit geschrieben habe und ursprünglich auch noch mein Examen machen wollte. Letzteres habe ich aber dann verschoben und somit mehr Zeit für Bücher gewonnen.

Ich habe bis auf zwei Ausnahmen jedes Buch auf meinem Blog besprochen, wobei jedoch noch 6 Rezensionen offen sind. Diese habe ich vor Jahresende einfach nicht mehr geschafft, werde das aber so bald wie möglich nachholen. Außerdem nehme ich (leider) wieder ein Buch mit ins neue Jahr, nämlich Flut von Wolfgang Hohlbein. Ich hätte den Wälzer doch nicht mehr so spät im Dezember anfangen sollen ^^

Hier ein kleiner Überblick.

5 von 5 Wolken: 22 Bücher
4 von 5 Wolken: 19 Bücher
3 von 5 Wolken: 14 Bücher
2 von 5 Wolken: 3 Bücher
1 von 5 Wolken: 1 Buch
Ohne Bewertung: 0 Bücher
Unrezensiert: 2 Bücher

Hörbuch: 2
Englisch: 1
Reread: 13
Abgebrochen: 1


Leider habe ich die Challenges, zu denen ich mich zu Beginn des Jahres angemeldet habe, ab der Jahresmitte sehr schleifen lassen und konnte mich selbst nach dem Verschieben meines Examens nicht mehr dazu aufraffen, daran weiterzuarbeiten. Ich werde deshalb nächstes Jahr an keiner Challenge teilnehmen.


Nun zu meinen persönlichen Highlights 2016, also den Büchern, die die Bewertung 5 von 5 Wolken bekommen haben. Mit einem Klick gelangt ihr zu den Rezensionen.







Letztes Jahr habe ich meine Lieblinge 2015 gekrönt, also die Favourites unter den 5-Wolken-Büchern, aber dieses Jahr kann ich mich einfach nicht entscheiden. Sie waren alle so toll! Ein Preis für die größte Überraschung des Jahres könnte jedoch an Biss zum Morgengrauen gehen. Dieses habe ich kürzlich zum zweiten Mal nach Jahren wieder gelesen um zu entscheiden, ob ich die Reihe aussortieren soll, und war fasziniert, wie sehr mir das Buch dann doch (wieder) gefallen hat. Ich bin gespannt, wie mein Urteil über die Folgebände ausfallen wird!



Welches waren eure Buch-Highlights des Jahres? Haben wir vielleicht welche gemeinsam? Könnt ihr Tops oder Flops bennenen?

Freitag, 30. Dezember 2016

"Under Ground" von S.L. Grey


"Under Ground" von S.L. Grey

Verlag: Heyne (2016
Format: TB, 383 Seiten
ISBN: 978-3-453-43810-1
Preis: 12,99 € [D] 
Originaltitel: Titel (2006)

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Inhalt


Die drohende Apokalypse treibt eine Gruppe von Menschen in einen Luxusbunker. Dort glauben sie sich in Sicherheit, doch die Gefahr lauert direkt unter ihnen...

Meine Meinung


Ich habe mich sehr gefreut, als ich dieses Buch vom Verlag zugeschickt bekommen habe. Ich liebe Endzeitthriller und Under Ground klang sehr vielversprechend. Leider enthält es viel weniger Endzeit als erwartet...

Ich dachte, dass mit den Worten "Doch der schlimmste Feind lauert bereits unter ihnen" im Klappentext das Virus gemeint ist, vor dem die Bunkerbewohner flüchten, und das dann doch irgendwie seinen Weg in den Bunker findet. Doch dem ist nicht so - tatsächlich bekommen Militär und Mediziner das Virus kurz nach dem Einzug der Familien in den Bunker wieder unter Kontrolle und die Bunkerbewohner sowie die Leser bekommen davon gar nichts mehr mit. Stattdessen kommen die Bewohner aufgrund weitreichender sicherheitstechnischer Mängel nicht mehr an die Oberfläche, eine Panne folgt der nächsten und schließlich sind sie ganz von der Außenwelt abgeschnitten. Und als dann ein Toter gefunden wird, muss davon ausgegangen werden, dass ein Mörder unter ihnen ist...

Dass es jetzt doch weniger Endzeit ist, als gedacht, darüber hätte ich noch hinwegsehen können. Doch leider konnte mich die Story dennoch nicht überzeugen, was zum Großteil an den Charakteren lag. Es war im Grunde keiner darunter, der mir sympathisch gewesen wäre oder mit dem ich mich auch nur halbwegs hätte identifizieren können, schon gar nicht unter den überwiegend schwachen Frauenfiguren. Das ist aber eigentlich auch kein Wunder: die Bewohner des Bunkers sind allesamt neureiche Emporkömmlinge, die sich von den Versprechungen des Inhabers haben einlullen lassen und versucht haben, sich ihr Leben mit Geld zu erkaufen. Kaum einer von ihnen denkt an die anderen Menschen, Freunde und Bekannte, sondern nur um sich und die vermeintliche Sicherheit, die mit Geld scheinbar zu kaufen ist - doch dass dem nicht so ist, sollte eigentlich selbst ein Blinder sehen können, immerhin dürfen alle Mieter einfach so in den Bunker spazieren, ohne dass Quarantänemaßnahmen getroffen werden. 

Es passt daher vielleicht auch, dass alle sich nahezu genauso verhalten wie zuvor, nachdem feststeht, dass sich ein Mörder unter ihnen befindet. Ich hätte mich eingeschlossen und keinen Fuß mehr vor die Wohnungstür gesetzt, doch alle anderen machen einfach munter weiter und spazieren mitten in der Nacht alleine durch die Anlage. Sie ergehen sich in gegenseitigen Verdächtigungen und Schuldzuweisungen und natürlich kommt so auch der Leser darüber ins Grübeln, was dort unten vor sich gehen könnte. Es wird mit Klischees und Vorurteilen gespielt, doch wenn ich ehrlich bin, bin ich nicht auf diese hereingefallen. Gut, der Schuldige war dann doch jemand anderes, als ich dachte (wobei es mir zuletzt ehrlich gesagt auch egal war), aber so viele Möglichkeiten hat es dann eigentlich auch nicht mehr gegeben.

Das Wer-ist-der-Mörder-Spiel kommt durch die kapitelweise wechselnden Perspektiven sehr gut zu Geltung. In jedem Kapitel wird jemand anderes vom Autorenteam begleitet, die Sprache und die Gedanken sind an die jeweilige Persönlichkeit angepasst. Nur Gina, die Tochter eines Mieters, erzählt ihre Erlebnisse aus der Ich-Perspektive, was ich seltsam finde und was meiner Meinung nach eher störend ist. Insgesamt konnte mich das Buch aber nicht packen, die Schicksale ließen mich eher kalt und es war mir, wie gesagt, am Ende fast schon egal, wer denn nun ein falsches Spiel gespielt hat und vor allem, warum. Under Ground ist ein nettes Buch für zwischendurch, das mich inhaltlich enttäuscht hat, für das richtige Klientel aber durchaus reizvoll sein kann. Ich vergebe 3 von 5 Wolken.

Vielen Dank an den Verlag und das Bloggerportal für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

Donnerstag, 29. Dezember 2016

"Katzenwinter" von Wolfgang und Heike Hohlbein


"Katzenwinter" von Wolfgang und Heike Hohlbein

Verlag: Ueberreuter (1997, 2004)
Format: HC, 418 Seiten
ISBN: 3-8000-5069-2

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Inhalt


Nach einem mysteriösen Unfall liegt Justins Großmutter im Krankenhaus und er kümmert sich um ihre Katzen. Doch etwas Böses nähert sich dem beschaulichen Städtchen und unversehens befindet sich Justin im größten Abenteuer seines Lebens, denn es liegt an ihm, die dunklen Mächte zurückzudrängen, die Zorn und Zwietracht unter den Stadtbewohnern sähen. Hilfe bekommt er von einem geheimnisvollen Mädchen und den Katzen seiner Großmutter. Doch wem kann er wirklich trauen?


Meine Meinung


Dieses Jahr ist für mich irgendwie zu einem Jahr der Rereads geraten, denn auch dieses Buch befindet sich schon lange in meinem Regal und ich hatte es insgesamt in guter Erinnerung. Zwar konnte ich mich im Detail nur noch an das seltsame Motorrad eines der Bösewichte erinnern, doch beim Lesen kamen dann viele andere Erinnerungen auch wieder hoch und zauberten mir ein Lächeln ins Gesicht.

Ich kam sehr schnell in die Geschichte hinein und hatte das Buch innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Die Hohlbeins schreiben klar und angenehm alltagssprachlich, was gut zum jugendlichen Protagonisten passt. Gleich von Anfang an wird außerdem klargestellt, dass der Unfall der Großmutter nicht mit rechten Dingen zuging, was einen zum Weiterlesen animiert und Spannung aufbaut. Was ist wirklich geschehen? Und warum war es ausgerechnet die Großmutter, die gestürzt ist? Dies alles versucht Justin herauszufinden, wobei er Hilfe von den vielen Katzen seiner Großmutter bekommt.

Das Buch ist wirklich sehr katzig, was ja schon der Titel verheißt. Es ist jedoch nicht mit Warrior Cats oder Ähnlichem zu vergleichen. Die Katzen verhalten sich zwar ungewöhnlich und helfen Justin, indem sie ihn auf bestimmte Dinge stoßen oder gegen Feinde kämpfen, doch sie tun dies stets auf ihre Art, sprechen also nicht und haben auch keine außergewöhnlichen magischen Kräfte. Das fand ich sehr angenehm - es bot einen Kontrast zu den übernatürlichen Kräften, gegen die Justin kämpfen muss, und ließ den Roman etwas bodenständiger und mehr im Genre des Urban Fantasy angesiedelt wirken.

Auch die familiäre Situation von Justin trug zu dem Eindruck, dass die Geschichte gar nicht so weit entfernt spielen könnte, bei. Die kleinen und größeren Streitereien der Eltern wecken Erinnerungen an die eigene Kindheit und die Ängste, die sie hervorgerufen haben, und der Kampf gegen die bösen Mächte wird zu etwas Persönlichem, das Justin alleine meistern muss, um daran zu wachsen. Doch die Hohlbeins haben ihn nicht zu einem unfehlbaren kleinen Krieger verkommen lassen: Justin muss durchaus die ein oder andere Niederlage einstecken und sich Fehler und deren Folgen eingestehen. Wie im richtigen Leben ist nicht jede seiner Entscheidungen richtig, doch er versucht stets, das beste daraus zu machen.

Moralische Unterstützung erhält er von der geheimnisvollen Reggie, einem taffen Mädchen, das plötzlich auftaucht, stets barfuß unterwegs ist und sich äußerst gut mit den Katzen versteht. Sie ist frech und nimmt kein Blatt vor den Mund, allerdings lässt die von ihr angekündigte Hilfe meiner Meinung nach etwas zu wünschen übrig. Auch Justin hat das Gefühl, dass sie nicht wirklich zur Lösung des Rätsels um seine Großmutter beiträgt. Dennoch mochte ich Reggie sehr gerne - sie bringt frischen Wind in die Story und einen weiteren Hauch von urbaner Magie. Denn in Justin keimt schnell der Verdacht auf, dass sie sich in eine Katze verwandeln kann, doch kann das wirklich sein? Und kann er ihr überhaupt trauen? Die Warnung seiner Großmutter, nicht jedem zu vertrauen, geht ihm nicht aus dem Kopf. Vielleicht ist es jedoch auch der freundliche Tierarzt, der ein falsches Spiel spielt?

Es bleibt bis zum Ende spannend und undurchsichtig. Schnee, Eis und Dunkelheit machen den Roman zu der perfekten Lektüre für kalte Wintertage und wer Katzen mag, wird auf jeden Fall auf seine Kosten kommen. Ich vergebe 4 von 5 Wolken.