Dienstag, 7. November 2017

"Das Spiegellabyrinth" von Frank Beddor


"Das Spiegellabyrinth" von Frank Beddor

Verlag: dtv (2005)
Format: TB, 316 Seiten
ISBN: 3-423-24500-x
Preis:14,50 € [D] 
Originaltitel: The Looking Glass Wars (2004)
Deutsch von Gyldan Stern, Edgar Müller und Dagmar Andrea Sivas

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Inhalt


Die junge Prinzessin Alyss hat eine blühende Fantasie - und das muss sie auch haben, soll sie doch eines Tages Königin von Wunderland werden. Doch ihre rachsüchtige Tante Redd durchkreuzt diesen Plan und nach einer halsbrecherischen Flucht gelang Alyss in eine fremde Welt: das viktorianische London. Hier glaubt ihr niemand ihren Erzählungen über Spielkartensoldaten, Jabberwocks oder sprechenden Schachfigurren und bald schon zweifelt Alyss an ihrem Verstand. Hat sie sich ihre Kinderheit im Wunderland nur ausgedacht? Doch ihre Freunde und Verbündeten von damals sind schon auf der Suche nach ihr sowie nach einem Weg, die künfitge Königin zurück nach Wunderland zu bringen.

Meine Meinung


Adaptionen von Carrolls Alice im Wunderland gibt es viele, doch selten ist eine so blutig und temporeich wie es diese hier ist. Gleichzeitig hat das Buch fast schon überspitzte Züge, sodass man sich nie ganz sicher sein kann, womit man es eigentlich zu tun hat - mit einem ernsthaften Fantasy-Roman oder Satire. Aus diesem Grund fiel mir auch der Einstieg in das Buch schwer, das rasante Tempo der Story hat mich dann jedoch davon abgehalten, das Buch zu schnell wieder wegzulegen, und kurz darauf hatte ich mich auch schon voll in die Geschichte eingefunden.

Die Charaktere und der Kern der Geschichte sind nichts Neues: ein junges Mädchen auf der Flucht vor der Vergangenheit; der Versuch, ein neues Leben aufzubauen, das jedoch auf Lügen fußt; eine Jugendliebe unter ihrem Stand und ein äußerst wohlhabender Verehrer. Hinzu kommen Figuren aus dem berühmten Kinderbuch, die hier und da mit interessanten Details aufgemotzt wurden. So ist die Grinsekatze hier beispielsweise der bösartige Handlanger der Thronräuberin, dessen neun Leben ihn zu einem gefährlichen Gegner machen, und der Hutmacher ist ein sympathischer Kämpfer der alten Schule, dessen Hut zu einer treffsicheren Waffe wird. Des weiteren rollen Köpfe, spritzt Blut, werden fiese Intrigen gesponnen, sodass vom ursprünglichen Klassiker nur noch der Rahmen bestehen bleibt, was dem Roman aber äußerst gut steht.

Besonders gut hat mir gefallen, dass Beddor sogar feministische Thematiken und Kontroversen anschneidet. So spricht er von Wunderland beispielsweise explizit als Königinnenreich und bringt auch zur Sprache, dass Herrscher angrenzender Königreiche eine Frau auf dem Thron nicht gerne sehen. Der König, Alyss' Vater, ergreift daraufhin auf sympathische Weise für seine Frau Partei. Und auch in Alyss selbst sehe ich eine starke Frau, die sich zwar gezwungen sieht, sich den äußeren Umständen zu beugen, die ihren eigenen Wert jedoch dennoch nie vergisst.

Tatsächlich war es das zweite Mal, dass ich dieses Buch gelesen habe. Gekauft habe ich es zu Teenagerzeiten und ich hatte es eigentlich in recht guter Erinnerung, auch wenn ich keine Details mehr im Kopf hatte. Deshalb wollte ich dem Roman noch eine Chance geben, bevor ich mich für weggeben oder behalten entscheide. Ich halte Das Spiegellabyrinth nach wie vor für ein gutes Buch, es ist jedoch keines, an dem mein Herz hängt, wie ich festgestellt habe. Deshalb wird es demnächst ins öffentliche Bücherregal umziehen, wo es sicher bald jemand anderen glücklich machen wird.

Leider wurden die Folgebände bisher nicht übersetzt und ich glaube auch nicht, dass das in nächster Zeit noch der Fall sein wird. Die Fortsetzungen in Orignialsprache heißen Seeing Redd und ArchEnemy und vielleicht laufen die beiden Romane mir ja in naher Zukunft über den Weg.   

Für diesen ersten Band der Trilogie vergebe ich jedenfalls 3 von 5 Wolken.

Mittwoch, 24. Mai 2017

"Unter meinen Füßen die Straße" von Wendelin van Draanen


"Unter meinen Füßen die Straße" von Wendelin van Draanen

Verlag: Carlsenhttps://www.carlsen.de (2011)
Format: TB, 254 Seiten
ISBN: 978-3-551-58184-6
Preis: 14,00 € [D] 
Originaltitel: Runaway (2006)
Aus dem Englischen von Gabriele Haefs

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Inhalt


Holly ist 12 Jahre alt und hat schon mehr erlebt, als es ein Mädchen in ihrem Alter sollte: Heimatlosigkeit, den Drogentod ihrer Mutter, Missbrauch in Pflegefamilien. Schließlich hält sie es nicht mehr aus und flieht. Von nun an ist sie eine Nomadin, eine Seenomadin, mit einem großen Ziel: dem Meer. Hilfe und Halt findet sie in dem Tagebuch, das sie zunächst widerwillig und voller Spott, dann jedoch immer ernsthafter führt. Ihr Tagebuch und die Poesie - das ist es, was sie am Leben hält.


Meine Meinung


Dieses Buch ist mir wegen seines Covers aufgefallen und wegen der Thematik ist es schließlich in meinem Bücherei-Körbchen gelandet, denn Ausreißer- und Straßenkindergeschichten haben mich schon früh fasziniert. Es handelt sich bei diesem Buch um eine Ergänzungsgeschichte zu dem Buch Sammy und die barmherzigen Schwestern, ist jedoch eine eigenständige und abgeschlossene Story.

Zu Beginn trieft das Buch vor Selbstironie und unterdrückter Wut. Holly schildert ihrer Lehrerin Ms Leone, die sie zum Schreiben des Tagebuchs animiert hat, wie ihr Alltag bei ihrer aktuellen Pflegefamilie aussieht und wie sie ihr Leben empfindet. Sie betont immer wieder, dass sie eigentlich gar nicht schreiben will und selbst nicht weiß, warum sie es doch tut. Man spürt, wie viel Verzweiflung zu diesem Zeitpunkt in der Protagonistin steckt und kann ihren Entschluss, schließlich das Weite zu suchen, voll und ganz nachvollziehen.

Im Laufe der Zeit ändert sich dann jedoch ihr Ton. Zunächst spricht sie ihre Lehrerin wie eine gute Bekannte an, dann verschwinden die Anreden langsam ganz und die Ausführungen werden tiefgründiger. Diese Verwandlung im Inneren der Protagonistin darzustellen ist der Autorin sehr gut gelungen.

Ich fand die kleinen Details von Hollys Leben auf der Straße sehr spannend. Dinge, an die man im ersten Moment nicht denkt (und an die ich mich auch aus anderen Büchern dieser Art nicht erinnern konnte), so zum Beispiel an die Müllbeutel, die Holly zum Poncho umfunktioniert, um sich vor der Feuchtigkeit der Nächte auf der Straße zu schützen. Auch hat Holly tolle Ideen, wie sie ihre Tage gestaltet, wie sie sich Essen und Schutz erschleichen kann, wie sie von A nach B kommt - man erkennt die monatelange Recherchearbeit, die van Draanen in dieses Buch gesteckt hat.

Dennoch - irgendetwas fehlte mir in dieser Geschichte, ohne dass ich es genau in Worte fassen kann. Ja, Hollys Leben ist schlimm und es gibt sicher tausende von Kindern auf der Welt, die leider Ähnliches erleben müssen. Und Holly ist auch nicht vor Gefahren und Rückschlägen sicher. Trotzdem ging mir alles irgendwie zu glatt über die Bühne und vor allem gegen Ende driftete die Story für meinen Geschmack zu sehr in eine kitschige Happy-End-Honigkuchenpferd-Geschichte ab - es war einfach zu viel des Guten. Es werden sehr viele der klassischen Straßenkindergeschichtenklischees bedient, und obwohl es auch viele neue Elemente und Blickwinkel gibt, konnte das Buch mich nicht wirklich fesseln.

Als sehr ungünstig empfand ich vor allem die Übersetzungen der kleinen Gedichte, die Holly im Laufe der Zeit schreibt. Ja, Gedichte können oft mehr aussagen, als alle Beschreibungen der Welt es könnten, doch im Deutschen kommen sie sehr unangenehm holprig daher, was in meinen Augen alle Möglichkeiten gleich im Keim erstickte. Ich bin sicher, dass die Gedichte in der Originalsprache besser und passender klingen.

Ich habe das Buch gerne gelesen, der Funke ist jedoch bis zum Schluss nicht wirklich übergesprungen. Unter meinen Füßen die Straße ist für Leser im frühen Teenageralter auf jeden Fall eine tolle Lektüre, für mich war es jedoch nicht mehr als eine nette Geschichte für zwischendurch. Ich vergebe 3 von 5 Wolken.

"Eleanor & Park" von Rainbow Rowell


"Eleanor & Park" von Rainbow Rowell

Verlag: Hanser (2015)
Format: HC, 361 Seiten
ISBN: 978-3-446-24740-6
Preis: 16,90 € [D] 
Originaltitel: Eleanor & Park (2012)
Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit

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Inhalt


Sie sind beide Außenseiter, aber grundverschieden: Die pummelige Eleanor und der gut aussehende, aber zurückhaltende Park. Als er ihr im Schulbus den Platz neben sich frei macht, halten sie wenig voneinander. Park liest demonstrativ und Eleanor ist froh, ignoriert zu werden. In der Schule ist sie das Opfer übler Mobbing-Attacken und zu Hause hat sie mit vier Geschwistern und einem tyrannischen Stiefvater nur Ärger. Doch als sie beginnt, Parks Comics mitzulesen, entwickelt sich ein Dialog zwischen den beiden. Zögerlich tauschen sie Kassetten, Meinungen und Vorlieben aus. Dass sie sich ineinander verlieben, scheint unmöglich. Doch ihre Annäherung gehört zum Intensivsten, was man über die erste Liebe lesen kann. (Quelle)


Meine Meinung


Irgendwie ging das Lesejahr gar nicht gut los. Nach Heart.Beat.Love. ist dies das zweite Buch, das meine Erwartungen enttäuscht hat und nach dem ich mich fragte, wo der Hype darum her kam.

Natürlich trifft das Thema mitten ins Herz: Ein Mädchen aus sozial schwachem Hause und mit einem gewalttätigen Stiefvater trifft auf einen Jungen, der es ebenfalls nicht leicht in der Schule hat, der sich aber mit der Situation arrangiert hat. Er möchte durch Kontakt mit ihr seine wacklige, aber derzeit sichere Stellung nicht verlieren, sie hingegen kann sich nicht vorstellen, dass sich jemand für sie interessieren könnte. Der Stoff aus dem Geschichten sind. Eigentlich. Denn diese Geschichte barg für mich zu viel, das irgendwie nicht passte und zu viel, das ich störend fand.

Eleanor hat es wahrlich nicht leicht. Ihre familiäre Situation ist katastrophal und zudem entspricht sie nicht dem gängigen Schönheitsideal - sowohl was ihre Figur als auch ihren Kleidungsstil betrifft. Darum schert sie sich allerdings nicht besonders, woran man merkt, dass Rowell mit Eleanor eine starke Frauenfigur geschaffen hat. Sie versucht nicht zwanghaft, sich anzupassen und sie kleidet sich auch nicht so fantasievoll, weil sie keine anderen Mittel hat - Eleanor nimmt sich selbst und ihren Körper so, wie er ist und das hat mir sehr gefallen.

Auch Park fällt aus der Reihe der "typischen Charaktere". Der Halbkoreaner schämt sich nach anfänglichem Zögern nicht, seine feminine und zarte Seite zu zeigen und ist dadurch ebenfalls eine starke Persönlichkeit zu nennen. Er ist für mich auch der Sympathieträger der Geschichte, während ich Eleanors Art und ihr Verhalten ihm gegenüber meist nicht wirklich nachvollziehen konnte. Obwohl ich ihr Verhalten irgendwie verstehen konnte regte eich mich meist darüber auf und hätte sie oft gerne genommen und geschüttelt. Durch diese im Grunde unvorhersehbaren Gefühlsschwankungen wurde der Roman paradoxerweise doch wieder vorhersehbar und zog sich zudem unangenehm in die Länge.

Obwohl beide Charaktere angenehm unkonventionell und kontrastreich gezeichnet sind (Sympathie hin oder her), erschien mir die Liebesgeschichte der beiden dann aber dennoch zu sehr um Innovation bemüht. Nach einem vielversprechenden Anfang ging alles irgendwie zu schnell dafür, dass beide eher schüchtern, zurückhaltend und vorsichtig sind. Entgegen aller Erwartungen war mir die Romanze tatsächlich auch zu kitschig, obwohl auch sehr schöne Momente dabei waren, die nostalgische Erinnerungen hervorriefen: Comic-Hefte und selbst zusammengestellte Mixtapes, Relikte der 80er Jahre, in denen auch die Story angesiedelt ist. 

Die insgesamt 58 Kapitel enthalten jeweils mehrere kurze Abschnitte, die entweder aus der Sicht von Eleanor oder Park geschrieben wurden. Man erhält so einen schönen Rundumblick und erfährt, wie unterschiedlich oder auch gleich die beiden Jugendlichen das Erlebte verarbeiten. Zudem erhält man so Einblick in die doch sehr verschiedenen familiären Situationen, was dem Buch einiges an Tiefe und auch pädagogischem Wert verleiht. Anhand der Thematiken und der Figuren würde sich der Roman sicherlich auch gut als Schullektüre eignen. Mich persönlich hat er jedoch enttäuscht und obwohl ich noch lange über die schwere familiäre Situation Eleanors nachdenken musste, ist das Buch keines, das ich selbst im Regal stehen haben muss. Ich vergebe 3 von 5 Wolken.

Sonntag, 26. Februar 2017

"Heart. Beat. Love." von James Patterson & Emily Raymond


"Heart. Beat. Love." von James Patterson & Emily Raymond

Verlag: dtv (2015)
Format: HC, 317 Seiten
ISBN: 978-3-423-76107-9
Preis: 10,00 € [D] 
Originaltitel: First Love (2014)
Aus dem amerikanischen Englisch von Stephanie Singh

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Inhalt


Scheinbar aus heiterem Himmel schlägt Axi ihrem besten Freund Robinson einen Trip quer durch die USA vor. Robinson macht mit und verwandelt die Reise in ein verwegenes Abenteuer: Statt mit dem Greyhoundbus düsen die beiden auf einer geklauten Harley los. Sie übernachten unter freiem Himmel und schwimmen in Privatpools – und immer wieder fragt sich Axi, wann aus ihrer Freundschaft endlich mehr wird. Doch eines Morgens holt sie das Schicksal ein und es wird ihnen klar, dass sie sich vom ersten Augenblick geliebt haben und jeden einzelnen Moment des Glücks, der ihnen bleibt, auskosten wollen ... (Quelle)


Meine Meinung


Ich hatte diesen Roman aus der Bücherei ausgeliehen und mich unglaublich auf die Lektüre gefreut. Ganz im Sinne von Road Trip-Romanen erwartete ich den Geruch nach staubigen Landschraften, Sommerhitze auf der Haut und das Gefühl von Freiheit zwischen den Seiten. Dazu noch eine zarte Romanze zwischen zwei Teenagern, deren Liebe unter keinem guten Stern steht, wie der Klappentext verrät. Doch ich wurde schwer enttäuscht.

Kurz gesagt: die Idee ist gut, die Umsetzung sehr schwach. Die Erzählungen über die Abenteuer der Teenager Axi und Robinson sind viel zu knapp und unausgeschmückt. Dies allerdings nicht im Sinne von "man kan sich seinen Teil denken" sondern tatsächlich unbefriedigend lückenhaft. Hier denke ich besonders an die Frage, wie Robinson es schafft, sich auf eine Party der High Society zu schleusen oder daran, dass riesige Streckenabschnitte wie der von Colorado nach Michigan mit kaum einem Wort erwähnt werden. Die Reise und die Fahrt durch Niemandsland ist doch eigentlich das interessante an einem solchen Road Trip, oder nicht? Zudem erschienen mir viele Erlebnisse leider absolut realitätsfern und unrealistisch. Natürlich könnte Patterson mit diesen Stilmitteln versucht haben darzustellen, an was wir uns bei solchen Abenteuern wirklich erinnern, was hängen bleibt und wie wir das später zu Papier bringen. Doch für einen Roman dieser Art ist mir das einfach zu wenig.

Leider hat sich ebenfalls schnell herausgestellt, dass die schöne Idee mit den integrierten Fotografien, die mich besonders angezogen hat, nur mangelhaft umgesetzt wurde: Die Fotos passen oft nicht zum Text. Eine bemalte Glaskugel ist nun mal kein Prisma-Kristall, und wenn neben der Beschreibung einer dreistöckigen viktorianischen Villa das Foto eines schlichten zweistöckigen Hauses abgebildet ist, fragt man sich auch, was das soll. Wenn schon Bilder, dann doch solche, die auch passen, oder?

Insgesamt schien es mir, als würde der doch etwas ältere Autor Klischees und vermeintlich typische Situationen von Teenager-Ausreißer-Geschichten nutzen um darüber hinwegzutäuschen, dass er doch schon einige Jahrzehnte von der Teenager-Generation entfernt ist. Auch die jüngere Koautorin konnte hier keinen frischen Wind hinein bringen. Weder mit Axi noch mit Robinson konnte ich warm werden und die doch recht tragische Geschichte berührte mich kaum, was mir irgendwie Leid tat, da Patterson mit diesem Roman einer früheren Liebe gedenkt, wie in der Widmung geschrieben steht. Hierin zeigt sich übrigens auch, dass man Patterson nicht vorwerfen kann, mit seiner Story an den Erfolg von Das Schicksal ist ein mieser Verräter anknüpfen zu wollen - ein Verdacht, der mir ehrlich gesagt recht schnell kam. Laut Patterson kam ihm die Idee jedoch schon vor der Veröffentlich von Greens Roman und fußt, wie gesagt, auf eigenen Erinnerungen.

Ihr seht, meine Enttäuschung ist groß. Ich kann das Buch leider gar nicht empfehlen und vergebe 2 von 5 Wolken. Sehr schade, doch es gibt viele Bücher, die die verarbeiteten Thematiken besser umgesetzt haben.

"Angstmädchen" von Jenny Milewski


"Angstmädchen" von Jenny Milewski

Verlag: Heyne (2017)
Format: TB, 333 Seiten
ISBN: 978-3-453-43880-4
Preis: 13,99 € [D] 
Originaltitel: Yuko (2015)
Aus dem Schwedischen von Max Stadler

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Klappentext


Die junge, schüchterne Malin zieht in ein Studentenwohnheim ein. Zu ihrer großen Freude bekommt sie das einzige Zimmer, das über eine Badewanne verfügt. Doch dann erfährt sie, dass sich darin ein Mädchen namens Yuko die Pulsadern aufgeschnitten hat. Kurz darauf findet Malin Haarbüschel, die nicht von ihr stammen können, und als sie eines Nachts eine blasse Gestalt sieht, wird ihr klar, dass etwas in ihr Leben getreten ist, das sie nicht mehr loswird. Etwas, das ihr Angst macht – das auf sie wartet – wo immer sie auch hingeht … (Quelle)


Meine Meinung


Erst letztes Jahr habe ich angefangen, mich etwas mehr für Thriller zu interessieren. Nach einem eher ruhigen Roman wollte ich es dann mit etwas Anderem probieren und wurde kurz darauf auf Angstmädchen aufmerksam. Der Klappentext klang wie die Kurzbeschreibung eines Horrorfilms, was auch den Ausschlag dazu gab, das Buch zu lesen.

Angstmädchen liest sich leicht und schnell. Nach einem dramatischen Prolog wird man in die Handlung hineingeworfen und muss sich gemeinsam mit der Protagonistin Malin im Studentenwohnheim einleben. Sie trifft dabei auf übliche Schwierigkeiten wie Rivalitäten mit und unter den Mitbewohnern, doch schnell sind es auch ungewöhnliche Dinge, die Malins Aufmerksamkeit auf sich ziehen: Schuhe, die im Gang durcheinander geworfen wurden, Haarbüschel in ihrer Badewanne, die nicht von ihr stammen können, Wasser auf dem Boden, das verschwunden ist, sobald sie das Licht anknipst... Kenner des Genres in Literatur und Film werden die Anzeichen schnell erkannt haben: Malin hat es mit etwas Übernatürlichem zu tun.

Natürlich beginnt sie, Nachforschungen anzustellen und stößt dabei auf den tragischen Tod des Mädchens, das vor ihr in dem Zimmer gewohnt hat: Yuko. Doch was will der Geist von ihr? Soll sie ihren Tod aufklären? Die Zeichen sprechen dafür, doch als sich der Spuk nach und nach auch auf ihre Mitbewohner ausweitet, beginnt Malin zu ahnen, dass es nicht so leicht werden wird, Yukos Geist loszuwerden.

Milewskis Schreibstil ist angenehm locker und passt sehr gut zu dem Studentenleben der Figuren. Inhaltlich spielt sie mit den typischen Stilmitteln des Genres, was in diesem Fall leider auch eine ganze Reihe ausgelutschter Horror-Elemente mit sich bringt: überflutete Badezimmer, mysteriöse Tagebücher, von alleine zufallende Türen und so weiter. Hier hätte ich mir etwas mehr Innovation gewünscht. Auch, dass der Prolog bereits viel über das Ende aussagt, hat mich gestört und dem Roman einiges an Spannung genommen. Dennoch habe ich Angstmädchen gerne gelesen und ich habe mich stellenweise schon ein wenig unwohl gefühlt. Wirklich gegruselt habe ich mich jedoch nicht, dafür habe ich wohl einfach schon zu viele Filme dieser Art gesehen und blutigere Horrorromane gelesen. Es war jedoch eine schöne Erfahrung, eine solche Geschichte, die ich von der Art her bisher nur aus Filmen kannte, einmal zu lesen und mir die gruseligen Momente selbst vorstellen zu müssen.

Da mir buchige Vergleiche in diesem Genre fehlen möchte ich an dieser Stelle anmerken, dass ich Angstmädchen von der Atmosphäre und den Charakteren her als eine Mischung aus den Filmen Ring und Unfriend empfand. Wer diese Filme mochte, wird sicherlich auch mit diesem Buch etwas anfangen können. 

Ich selbst habe es schnell gelesen und noch einige Zeit düber die Figuren nachdedacht, doch insgesamt hat mich der Roman nur mäßig überzeugt. Er ist etwas Nettes für zwischendurch, doch ich denke, dass es in der Welt der Thriller und Horrorromane noch Spannenderes zu entdecken gibt. Ich vergebe daher gute 3 von 5 Wolken und danke dem Bloggerportal und dem Verlag sehr für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.