Donnerstag, 12. Juli 2012

"Biokrieg" von Paolo Bacigalupi

""Nein! Ich will keine Mangostan." Anderson Lake beugt sich vor und deutet mit dem Finger. "Ich möchte die da. Kaw pollamai nee khap. Die mit der roten Haut und den grünen Borsten." Die Bäuerin lächelt, bleckt dabei die Zähne, die ganz schwarz sind vom Betelnusskauen, und zeigt auf eine Pyramide von Früchten, die neben ihr aufgehäuft sind. "Un nee chai mai kha?" "Genau, die da. Khap." Anderson nickt und zwingt sich ebenfalls zu einem Lächeln."

"Biokrieg" von Paolo Bacigalupi

Verlag: Heyne (2011)
Format: TB, 606 Seiten
ISBN: 978-3-453-52757-7
Preis: 9,99 € [D]
Originaltitel: "The windup Girl" (2009)

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Klappentext


Die nahe Zukunft: Das Erdöl ist versiegt, unzählige Spezies sind ausgestorben, überall regiert Bioterrorismus. Der perfekte Zeitpunkt für Anderson Lake, um auf den außer Kontrolle geratenen Märkten von Bangkok Jagd auf die letzten gentechnisch unverseuchten Nahrunsmittel zu machen.


Meine Meinung


Mit diesem Buch von Paolo Bacigalupi habe ich schon lange geliebäugelt. Die Aufmachung und der Klappentext gefielen mir von Anfang an und als ich es dann schließlich gekauft hab und daheim die erste Seite aufschlug, war ich voller Vorfreude. Doch leider, leider... war es nicht die Geschichte, die ich erwartet und erhofft hatte. Die Idee ist super: die Welt, wie wir sie kennen gibt es schon lange nicht mehr und Seuchen und Krankheiten bedrohen die Menschheit. Der Frieden im Königreich Thailand hängt am seidenen Faden, denn es gibt Konflikte zwischen dem Handels- und dem Umweltministerum. Es gibt kaum Öl in dieser Welt und die Nahrunsmittel sind von Krankheiten und Schädlingen bedroht. Gen-Unternehmen haben den Markt im Griff und genmanipuliertes Leben hat teilweise das natürliche verdrängt.

Sehr schwierig an dem Buch finde ich, dass es keine wirkliche Hauptperson gibt, zumindest am Anfang. In jedem Kapitel tauchen neue Namen auf, jeder steht in Konflikt mit diesem oder jenem und verfolgt - natürlich - seine eigenen Interessen. Der Standpunkt mancher Person ist zunächst auch unklar. Ich habe daher ziemlich lange gebraucht um überhaupt zu verstehen, in welche Richtung sich die Story entwickelt und wer auf wessen Seite steht. Außerdem finde ich, dass der Spannungsbogen anfangs nur schwach ansteigt, aber das relativiert sich zum Schluss wieder.

Die Schlüsselfigur des Buches ist das Aufziehmädchen Emiko. Sie ist eine Art japanisches Robotermodell, entwickelt um dekorativ zu sein und zu dienen. Ihre Porenstruktur wurde der Schönheit wegen enorm verkleinert, weshalb sie in der Hitze der Stadt verglühen würde, würde sie nicht regelmäßig Eiswasser trinken. Von ihrem früheren Besitzer wurde sie in Kung Thep zurückgelassen und kann nur überleben, weil sie in einem Bordell arbeitet, dessen Besitzer das Schweigen der Ordnungshüter mit Schmiergeld erkauft. Aber ihre Spezies wird mit größtem Argwohn betrachtet und verhöhnt, weshalb sie einiges an Leid ertragen muss, bis sie eines Tages aus ihrer angedachten Rolle der Dienerin ausbricht und eine Welle von Ereignissen ins Rollen bringt. Sie ist der Kern der Geschichte, deshalb finde ich den Originaltitel "The Windup Girl" auch weitaus passender. Auch das Cover gefällt mir besser. Der Titel "Biokrieg" ist hingegen ein wenig irreführend, wenn auch nicht falsch.

Die große Stärke des Buches ist ohne Frage die Kulisse. Die thailändische Stadt Krung Thep liegt weit unter dem Meeresspiegel und wird nur von einem Deich und Pumpen vor dem Untergang bewahrt. Energie gibt es nur in Form von Methangas sowie in Federn gespeicherter Muskelkraft. Es ist heiß und die Gefahr von Seuchen lauert überall. Luftschiffe bringen verbotene Frachten von Übersee und Mönche versuchen, das Meer durch immerwährenden Gesang und Opfergaben zu besänftigen. Die Stadt ist von Armut und Hunger geprägt, sowie von Gewalt und Korruption. Sogenannte Cheshire bevölkern die Straßen, eine genmanipulierte Katze, die von ihrem Macher als Geschenk für seine Tochter gedacht gewesen war, einem großen "Alice-im-Wunderland"-Fan. Doch schnell verdrängte die perfekte Katze, die sich unsichtbar machen kann, die Felis domestica. Sehr interessant finde ich den mehrfach aufkommenden Gedanken, dass das auch mit der Menschheit passiert wäre, hätten die Entwickler nicht aus ihren Fehlern gelernt und die Aufziehmenschen sterilisiert und mit Fehlern ausgestattet...

Ich finde die Idee des Buches gut, aber ich hatte etwas anderes erwartet. Vor dem Hintergrund hat mich das Buch zwar ein wenig enttäuscht, es ist aber dennoch lesenswert und vor allem gegen Ende äußerst spannend. Es gibt viele interessante und überraschende Charakterentwicklungen und auch den Epilog finde ich sehr gelungen. Ich vergebe 4 von 5 Wolken.

Kommentare:

  1. Daas hört sich richtig super an :) Tolle Rezension

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  2. Ich habe für deinen tollen und informativen Blog einen kleinen "Award".

    LG Vicky aka Zauberberggast

    http://zauberberggast.blogspot.de/2012/07/liebster-blog-award.html

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  3. Die Rezi hört sich super an, auch die Idee vom Buch, von der Geschichte her klingt spannend. Ich glaube das wäre ein Buch, was ich auch mal kaufen würde.

    Ich bin auch gleich mal Leserin von deinem Blog geworden ;) Vielleicht magst du auch mal bei mir vorbei schaun ->http://janis-allerlei.blogspot.de/

    Liebe Grüße. Jani

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)