Montag, 1. Oktober 2012

"Die Landkarte der Liebe" von Lucy Clarke

"Katie hatte vom Meer geträumt. Das Telefon klingelte. Wildes Wasser und dunkle Ströme flossen rauschend davon, als sie sich aufsetzte. Sie blinzelte und rieb sich die Augen. Die Uhr neben dem Bett zeigte 2 : 14 an. Mia. Sie erstarrte. Ihre Schwester hatte sich bestimmt bei dem Zeitunterschied verrechnet."


 "Die Landkarte der Liebe" von Lucy Clarke

Verlag: Piper (Oktober 2012)
Format: TB, 351 Seiten
ISBN: 978-3-492-30085-8
Preis: 9,99 € [D]

☁ ☁ ☁ ☁ ☁

Inhalt


Als Katie die Ursache für den Tod ihrer kleinen Schwester hört, kann sie es nicht fassen: Selbstmord. Von einer Klippe in Bali. Was wollte sie dort? Warum war Finn, ihr bester Freund nicht bei ihr? Sie hatten die große Reise gemeinsam geplant, doch von Bali war nicht die Rede. War Katies schwieriges Verhältnis zu ihrer Schwester der Auslöser gewesen? Ihr letztes Telefongespräch, das in einen Streit ausgeartet war? Was war in Bali geschehen, dass es so weit kommen konnte? Unter Mias persönlichen Sachen findet Katie ein Reisetagebuch und beschließt, Mias Spur zu folgen: Nach Kalifornien, nach Maui, nach Westaustralien, nach Bali. Auf der Reise findet sie zu ihrer Schwester - und zu sich selbst. Sie erkennt, warum sie sich auseinander gelebt haben und dass es doch immer eine tiefe Verbindung zwischen ihnen gegeben hatte.

Meine Meinung


Ich muss gestehen, dass mich die ersten Seiten des Romans zunächst nicht vom Hocker gerissen haben. Die Sätze wirkten abgehackt, Katies Verhalten, als sie vom Tod ihrer Schwester erfährt, irgendwie gefühllos. Auch glaube ich nicht, dass man mitten in der Nacht von der Polizei aus dem Bett geholt wird, wenn Meilen entfernt, in einem anderen Land, ein Todesfall geschehen ist. So viel Takt werden die Behörden doch wohl haben, einen nicht mit einer Hiobsbotschaft aus dem Bett zu klingeln um ihn dann den Rest der Nacht sich selbst zu überlassen. Aber seid drum - bald darauf hat das Buch mich gefesselt und nicht wieder losgelassen. 

Mit Leichtigkeit gelingt es Clarke die Gefühlswelt der Protagonisten zu beschreiben. Sie lässt den Leser in Abgründe von Schuld und Angst schauen und schafft es doch, einen roten Faden von warmem Gefühl und Zuneigung durch den Roman zu führen, sodass man nicht selbst in einem Strudel der Verzweiflung versinkt. Und obwohl die Vergangenheit der jungen Frauen verzwickt und verschachtelt ist, schafft Clarke es, dass man jederzeit den Überblick behält. Die Gegebenheiten erscheinen real und könnten gut genau so irgendwo geschehen sein. Außerdem entwickelt sich die Handlung trotz einiger geschickt gesetzter Schlüsselwörter oft unerwartet.

Der Roman wechselt in 33 Kapiteln zwischen der Sicht auf Katie und auf Mia ab. Jedes Kapitel ist mit dem Namen der Schwester sowie dem Ort und em Monat überschrieben. Die Handlungsstränge, die etwa ein halbes Jahr auseinanderliegen, gehen immer wieder fließend ineinander über und durch entsprechende Schlüsselworte hält sich der Spannungsbogen permanent. Gegen Ende wird dieser noch durch immer kürzer werdende Kapitel verstärkt und ich konnte das Buch beim besten Willen nicht mehr weglegen. Sowohl Katie als auch Mia zeigen ihre Sicht auf vergangene Dinge und durch das ständige Hin und Her nähern sie sich immer weiter einander an und erlauben so auch dem Leser ein immer weiteres Blickfeld auf die Geschichte der Greene-Schwestern.

Durch die Beschreibung der Orte, die dei Schwestern nacheinander besuchen - die Hostels, die Strände, die Klippen - packt einen zusätzlich die Reiselust und auch die genauen Beschreibungen des Surfens stellt sich ein Freiheitsgefühl ein und die Lust, den Rucksack zu schnappen und loszuziehen. Ein perfektes Buch für den Sommer oder um in Erinnerungen an ihn und die letzte Reise zu schwelgen.

Gestört hat mich nur der Titel, der meiner Meinung nach zu kitschig für den tatsächlichen Handlungshergang ist. Natürlich geht es überwiegend um Liebe - zu Männern, zu Freunden, zur Heimat und zur Familie - dennoch hat der Titel mich persönlich eher abgeschreckt. Aber jetzt bin ich froh, das Buch gelesen zu haben, noch dazu exklusiv als eine der ersten, und empfehle es wärmstens weiter! Ich vergebe 5 von 5 Wolken und danke herzlich für das Rezensionsexemplar.

1 Kommentar:

Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)