Samstag, 5. Januar 2013

"Lyra" von Christoph Marzi

"Die meisten Lügen sind wie Träume, die ein Kind sich singt, um nicht allein zu sein. Sie sind wie fremde Länder, die zu erforschen keinen Sinn hat, weil niemand wirklich die Sprache spricht, die einen dort sicher reisen lässt. Keiner wusste das besser als Danny Darcy. Hat man erst einmal einen Schritt in diese Gefilde getan, dann ziehen einen die kunstvoll gesponnenen Geschichten in einen Sumpf aus spinnennetzartigen Erinnerungen, die alles an sich binden, was einem jemals Leben war."




"Lyra" von Christoph Marzi

Verlag: Heyne (Dezember 2009)
Format: TB, 413 Seiten + Songtexte von Dylan's Dogs
ISBN: 978-3-453-52623-5
Preis: 14,00 € [D] 

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Inhalt


Der Songwriter Danny Darcy ist überglücklich, als seine Frau Sunny ihm eröffnet, dass sie ein Kind erwartet. Doch kurz darauf behauptet sie, ihn mit einer anderen Frau gesehen zu haben und verlässt ihn Hals über Kopf. Danny weiß, dass nur seine Mutter dahinter stecken kann: Eine Sherazade, die mit ihren Geschichten lebendige Lügen in die Seelen anderer einpflanzen kann. Danny will alles wieder in Ordnung bringen, die Lüge soll verschwinden. Dazu braucht er die Hilfe der gefährlichen Sirenen. Doch diese spielen niemals ein faires Spiel - warum sollten sie also diesmal tun, als sie Danny ausschicken, damit er ihnen die Lyra bringt, ein mächtiges uraltes Instrument?

Meine Meinung


Wir ihr ja vielleicht schon wisst, zähle ich Christoph Marzi zu meinen Lieblingsautoren.Ich muss daher sehr aufpassen, dass meine Liebe zu seinem Gesamtwerk nicht den Blick verklärt.

Die Romane "Lyra" und "Fabula" gehören zusammen, sind jedoch in sich geschlossen. Jedes Buch konzentriert sich auf einen der Brüder Colin und Danny Darcy. Es ist schon eine Weile her, dass ich "Fabula" gelesen habe aber ich habe festgestellt, dass die Bücher nicht aufeinander aufbauen. Alle wichtigen Informationen, die ich noch aus "Fabula" in Erinnerung hatte, wurde knapp zusammen gefasst. Tatsächlich verschränken sich beide Bücher ineinander. Denn als Sunny sich von Danny, ihrem Mann trennt, fährt dieser zurück nach Schottland in sein Elternhaus, wo sich dann die Geschehnisse aus "Fabula" abspielen. Danach kehrt er zurück und erlebt die Abenteuer aus "Lyra".Ich denke also, dass die Reihenfolge egal ist.

Wie immer bei Marzis Roman ist auch "Lyra" geprägt von den fließenden Übergängen von unserer modernen Zeit zu phantastischen Welten und mythologischen Kreaturen. Bei seiner Erzählweise kommt es einem garnicht in den Sinn, die Geschehnisse zu hinterfragen. Sie sind eben einfach so. Marzi erzählt von realen Personen mit magischen Fähigkeiten neben erfundenen Personen, die so beschrieben werden, als entsprängen sie wirklich unserer Welt. Nicht selten musste ich abbrechen, um nach dieser oder jener Person zu googlen, weil ich einfach wissen musste, ob sie real ist.

In "Lyra" finden sich, noch stärker als in seinen anderen Romanen, Einwürfe von Liedtexten, die sich mit der Handlung verweben. Es sing nette kleine Anstupser, die aber nicht allzu wichtig sind, falls man kein Englisch kann. Offenbar schreibt Marzi auch selbst Lyrics, denn im Anhang finden sich einige Songs, die als Stücke der fiktiven Band "Dylan's Dogs", der Danny und Sunny angehören.

In diesem Buch habe ich einige Seiten an Marzi entdeckt, die ich noch garnicht kannte. So las ich von heißen, ziemlich detailliert beschriebenen Liebesnächten sowie Anspielungen auf jene und stolperte überproportional häufig über das F-Wort (sowohl auf enlisch als auch auf deutsch), welches mich am Schluss fast ein wenig nervte.

Überhaupt war das Buch gegen Ende ein wenig flach. Kurz vor dem Showdown ergeht sich Marzi in unendlich scheinenden Beschreibungen einer Reise Dannys durch die Wüste. War vielleicht spannungsteigernd gedacht, hätte aber irgenwie nicht sein müssen. Ebenso wie die Länge der anderen Geschichten, die innerhalb des Buches erzählt werden. Dennoch gelang es Marzi am Schluss wieder, alle Fäden zusammenzuführen, obwohl für mich doch die ein oder andere Frage offen blieb, und es blieb spannend bis zum Schluss.

Während die Romane, die ich bisher gelesen habe, immer in größeren Städten gemäßigten Klimas spielten, entführt er mit Lyra in den tiefen Süden Nordamerikas, nach New Orleans, in die Sümpfe des Bayous, wo Voodoo überall in der Luft liegt. Ich konnte die Hitze und die drückende Schwüle förmlich spüren und so dem nasskalten Wetter hier bei uns entfliehen. Man merkt aber doch, dass Marzis Herz eher der europäischen Metropole London gehört.

Es fällt mir schwer, jetzt eine Bewertung abzugeben... Hätte ich halbe Wolken gäbe es jetzt 3,5 Wolken. Aber da ich die nicht habe, runde ich mal großzügig auf 4 von 5 Wolken auf. Vielleicht meiner Verehrung geschludet, wer weiß ^^

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