Dienstag, 12. März 2013

"Unbezähmbare Angélique" von Anne Golon

"Die Kutsche des Stellvertretenden Polizeipräfekten Desgray holperte durch das Hoftor seines Hauses im Faubourg Saint-Germain und bog gemächlich in die grob gepflasterte Rue de la Commanderie ein. Es war ein nicht gerade luxuriöses, aber doch stattliches Gefährt; dunkles, mit Schnitzereien verziertes Holz, goldene Troddeln an den häufig zugezogenen Vorhängen, zwei Schecken, ein Kutscher, ein Diener - kurz, die typische Kutsche eines wohlangesehenen Beamten, der reicher ist, als er erscheinen möchte, und dem seine Nachbarschaft nur den einzigen Vorwurf machte, unverheiratet zu sein."

"Unbezähmbare Angélique" von Anne Golon

Verlag: Rowohlt (Juni 1976)
Format: TB, 426 Seiten
ISBN: 3 499 11963 3
Originaltitel: "Indomptable Angélique" (1961)

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Inhalt:

Gerüchten, denen zufolge ihr erster Mann, der Graf Peyrac, noch lebt und auf einer Insel auf sie wartet, macht sich Angélique auf zu fernen Ufern. Dabei gerät sie zwischen die Fronten der Muselmanen und der Christen, entgeht Gefahren nur um kurz darauf in die nächste zu schlittern. Schließlich findet sie sich in einem Harem wieder, wo sie die Favoritin eines grausamen Herrschers werden soll. Wird ihr die Flucht gelingen? Und ist es wirklich Joffrey, der auf sie wartet?

Meine Meinung:

Dass ich für diesen 4. Band der Angélique Reihe etwas länger gebraucht habe, lag nicht nur an dem Buch. Ich hatte einiges zu tun und kam kaum zu lesen. Dennoch hat dieser Roman ein bisschen dazu beigetan, denn es war bisher der "zäheste".

Golon schreibt angenehm und die Seiten fliegen nur so dahin. Hier war es jedoch so, dass ich das Gefühl hatte, die Geschichte selbst kommt nicht vom Fleck. Alles drehte sich immer im Kreis - Gefangenschaft, Flucht, Gefangenschaft, Flucht -, Schiffe, südländische Hitze, Eunuchen und Sklaven, und dann noch die vielen morgenländischen Namen... Ich muss zugeben, dass ich mich in der Mitte ein wenig gelangweilt habe, was sich aber zum Schluss hin zum Glück wieder änderte.

Außerdem scheint es das Buch der wieder auferstandenen Toten zu sein (mehr möchte ich nicht vorweg nehmen ^^) und ziemlich schnell erhärtete sich ein Verdacht, der fast zu offensichtlich ist, um sich nicht zu bewahrheiten. Wider Erwarten löste sich die Sache aber nicht in diesem Band auf und ich bin gespannt, ob ich recht hatte.

Was mir sehr gefallen hat war der Einblick in die Gebräuche der Muslime, das Leben im Harem und die Rolle der Frau in diesen Breiten der Erde. Auch die Parallelen zum Leben am französischen Hofe waren überraschend, die (Gift-)Morde und die Frauen, die zwar Kurtisanen sind, aber dennoch den Herrscher zu lenken vermögen und sich dieser Macht durchaus bewusst sind.

Angélique selbst ist natürlich wieder die Schönste und die Unwiderstehlichste. Bei modernen Büchern kann ich so etwas absolut nicht leiden, dieser alten Romanreihe verzeihe ich das aber. Denn trotz all ihrer Eigenschaften bleibt die Protagonistin sympathisch und der Leser lernt auch kleine Schwächen kennen.

Ich vergebe 3 von 5 Wolken für dieses Buch.

Die Übersicht des Angélique-Projekts gibt's hier, die Rezension zum ersten bzw. den ersten beiden Bänden findet ihr hier, die zum dritten Band hier.

Kommentare:

  1. Hallo Jacy,
    das ist lustig, dass Du das Buch eher zäh fandest, ich fand es nämlich das bisher "abenteuerlichste" von allen mit den vielen Schauplatz-Wechseln, ständig passierte irgendwas wie eine Entführung oder ähnliches :)
    Wünsch Dir weiter viel Spaß bei Deinem Leseprojekt!
    Anette

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  2. Ja? :D Da sieht man mal wie unterschiedlich die Geschmäcker sind ^^ Abenteuerlich war es schon, aber ich fand trotzdem, dass es sich im Kreis gedreht hat... Schlecht war es aber nicht!

    Vielen Dank, ich hab schon das nächste Buch in der Hand :)

    LG

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)