Freitag, 8. August 2014

"Erste Liebe" von Alexa Hennig von Lange

"Leute, ratet mal, wo ich neuerdings wohne! Im Hinterzimmer von Papas Geschäft. Tatsächlich! Da sitze ich jetzt, im 4. Stock auf dem Fensterbrett, rauche Zigaretten und lasse die Beine in den grünen Hinterhof baumeln. Rundherum auf den Balkonen klappern die Leute mit ihrem Geschirr für das Abendessen, die Vögel zwitschern unter mir in den Ästen, die Kirchturmglocken läuten vor dem Haus. Diese Ruhe zündet richtig rein."


"Erste Liebe" von Alexa Hennig von Lange

Verlag: Rowohlt (2004)
Format: HC, 158 Seiten
ISBN: 3-87134-506-7

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Inhalt


Lelle ist ein typischer Teenager mit (fast) typischen Teenagerproblemen. Die erste Liebe, die zweite Liebe, familiäre Schwierigkeiten und daraus folgende Essstörungen, ... Dennoch meistert sie mit Witz und Charme das Auf und Ab des Lebens.


Meine Meinung


Dieses Buch ist ein typisches Teenagerbuch. Und doch wieder nicht. Die Protagonistin Lelle vereint viele Klischees der Jugend in sich, aber das zu präzise, um als von der Autorin ungewollt bezeichnet werden zu können. Trotzdem wirkt Lelle nicht unrealistisch. Im Gegenteil: Ich denke, gerade durch ihre vielen Wesenszüge kann sich jeder in ihr wiederfinden, und so etwas für sich aus diesem Buch mitnehmen. Vor allem Mädchen im entsprechenden Alter.

Trotz der teilweise recht romantischen Vorgänge im Buch setzt die Autorin auch ganz andere Zeichen. Ich fand es beeindruckend, wie nüchtern Lelle die Beziehung zu ihrem ersten Freund betrachtet. Er ist für ein soziales Projekt nach Afrika gezogen und man könnte meinen, dass Lelle davon schwer getroffen ist. Doch sie betrachtet die Situation im Gegenteil objektiv von Außen, nimmt sie ganz teenager-untypisch als gegeben und damit unveränderbar hin.

Sehr interessant fand ich auch den zweiten, untergründigen Handlungsstrang des Buches. In der Ehe von Lelle's Eltern läuft offenbar einiges schief, denn die Mutter ist ihrem Mann gegenüber unterwürfig und ängstlich. Der Vater hingegen scheint kaum an seiner Familie interessiert, ist knauserig und geizig wenn es um Geld geht oder um Fahrten mit dem Auto. Obwohl Lelle offensichtlich unter der Situation leidet und mit Essstörungen darauf reagiert, scheint sie die Überlegene in der Situation zu sein. Ihre Mutter kommt zu ihr um sich Trost und Rat zu holen und Lelle weiß ganz genau, wie sie mit ihrem Vater umgehen muss.

Diese beiden Komponenten scheinen auf den ersten Blick nicht so recht zusammen zu passen. Ich bin aber mittlerweile der Meinung, dass dadurch gut der Zwiespalt dargestellt wird, in den Jugendliche schnell geraten. Sie sind sich ihrer Gefühle unsicher, versuchen mit inneren Haltungen, Dinge zu kompensieren und gleichzeitig nach Außen hin stark zu wirken.

Durch die Erzählweise fühlt sich der Leser unmittelbar angesprochen. Er fühlt sich mittendrin und als jemand, dem die Protagonistin Vertrauen entgegen bringt, weil sie auch von ihren Gefühlen und Gedanken erzählt. Diesen Aspekt fand ich sehr schön. Weniger bis gar nicht hat mir hingegen die angebliche Jugendsprache gefallen, die Lelle benutzt. "Das zündet richtig rein!" habe ich noch nie im Leben gelesen, geschweige denn gehört, und es hat dem Buch für mich etwas von seiner Aktualität genommen.

Insgesamt hat mir das Buch genz gut gefallen, vom Hocker gehauen hat es mich aber nicht. Es liest sich gut und schnell, bliebt bei mir aber nicht besonders im Gedächtnis. Daher vergebe ich 3 von 5 Wolken.

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