Donnerstag, 25. September 2014

"Uni-Sex: Studium emotionale" von Lina Barold

"Noch fünfunddreißig Minuten. Ich trete kräftig in die Pedale, weil ich irgendwie das Gefühl habe, je schneller ich fahre, umso schneller vergeht die Zeit. Aber natürlich erreiche ich genau das Gegenteil. Viel zu früh stehe ich am Fahrradständer vor der Uni. Etwas außer Atem schließe ich das Rad an, dabei rutscht mir der Jackenärmel nach oben, und mein Blick fällt auf meine Uhr. Noch fünfundzwanzig Minuten. Mir ist flau im Magen. Von Viktoria ist weit und breit noch nichts zu sehen. Ob ich doch einfach vorgehen sollte?"



"Uni-Sex: Studium emotionale" von Lina Barold

Verlag: Droemer Knaur feelings  (2014)
Format: eBook
Preis: 5,99 € [D] 

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Inhalt


Sira nimmt ihr Masterstudium sehr ernst und könnte von bösen Zungen durchaus als Streberin bezeichnet werden. Nachmittage in der Uni, akribische Genauigkeit und eine tiefe Leidenschaft für Goethe. Ihr ruhiges und vorhersehbares Leben ändert sich aber, als sie den Gastprofessor Silvan von Lengenfeld kennen lernt. Anfangs ist sie privat nicht sonderlich interessiert an ihm. Das ändert sich, als er plötzlich über die Uni hinausgehendes Interesse an ihr bekundet, und unverhofft findet Sira sich in einer Affäre mit ihm wieder. Aber ist es überhaupt eine Affäre? Was will Silvan wirklich von ihr?


Meine Meinung


Ja, ich selbst überrascht über die geringe Anzahl von Wolken, die dieses Buch jetzt von mir bekommt. Bis zur Hälfte des Buches war ich echt noch sehr angetan von der Story und gespannt darauf, wie es weitergehen würde. Das hat sich leider ziemlich genau nach dem Überschreiten der 50%-Marke gelegt.

"Ein Academic-Romance-Roman für alle, die Goethe und heimliche Affären an der Uni lieben" - das versprechen die Autorinnen, die gemeinsam unter dem Pseudonym Lina Barold schreiben, im Vorwort. Die Erwartungen, die ich aufgrund dessen an den Roman stellte, wurden jedoch nicht erfüllt.

Der Roman beginnt vielversprechend und auch da, wo er hin gehört: in der Uni. Die Protagonistin Sira erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive, wodurch man sie mehr als gut kennen lernt. Sympathisch war sie mir jedoch nur bedingt. Vor allem im Verlauf des Romans hätte ich sie des Öfteren gerne geschüttelt um ihr ihre Naivität und Unterwürfigkeit auszutreiben. Ihre inneren Monologe empfand ich oft als langatmig und die Spirale immer gleichen Gedanken schien kein Ende zu nehmen.

Während ich mit Sira im Grunde aber doch ganz gut auskam, konnte ich ihren Professor, Silvan Heinrich von Lengenfeld, absolut nicht leiden. Seine Art ist so ätzend, dass man sie fast schon als Unart bezeichnen könnte, und selbst wenn sich das, was auf den letzten Seiten für den Folgeband prophezeit wird, bewahrheitet, wird er mir nicht sympathischer. Im Gegenteil. Ich hätte ihn schon lange in den Wind geschossen.

Die Nebencharaktere fand ich, obwohl sehr klischeebehaftet, gut gewählt und großteils sympathisch: Die männerfressende Viktoria, die Weltverbesserin Anna-Maria, der ständige gesellschaftskritiker Jonas, der friedliche aber langweilige Daniel... Auch wenn diese nur Nebencharaktere waren, konnte man sich doch schnell ein Bild von ihnen machen und ihre Reaktionen in bestimmten Situationen einschätzen. Außerdem ergab sich durch den "Konkurrenzkampf" zwischen Sira und Voktoria eine Spannung, die einen zum Weiterlesen animierte.

Im Verlauf des Romans entfernen sich die Schauplätze immer mehr von der Uni. Das Studentenleben ist zwar noch präsent und wirkt dank Insiderwissen sehr authentisch. Gefühlt handelte es sich für mich aber zunehmend nicht mehr um eine Affäre zwischen Professor und Studentin. Und diese Verbindung, die etwas Verbotenes und Verruchtes hat, ist es ja eigentlich, die den Roman ausmachen soll.

Man könnte jetzt denken, dass der Roman wenigstens in Sachen Erotik noch punkten könnte. Hat er jedoch nicht, zumindest nicht bei mir. Die Szenen verlaufen alle ähnlich und gehen im Grunde nicht viel über "wir küssten uns, wir zogen uns aus und er legte sich auf mich" hinaus. Das Buch bietet also irgendwie von allem ein bisschen etwas, aber nichts ganz. Schade!

Sprachlich ist der Roman meiner Meinung nach aber gut gelungen. Es gibt viele Querverweise zu Goeth'scher Poesie und Verbindungen zu seinen Frauenfiguren. Besonders gut hat mir in diesem Zusammenhang gefallen, wie Sira diese am Schluss noch einmal aufzählt und sie mit sich selbst vergleicht. In Hinblick auf die Liebe zu Goethe haben die Autorinnen also nicht zu viel versprochen.

Auch die Seitenhiebe auf andere Romane brachten mich öfter zum Grinsen, obwohl sie, beziehungsweise die trocken-humoristische Art und Weise, wie sie eingebunden werden, nicht wirklich zu Siras Person zu passen scheinen. Zum Beispiel wie sie im Zug aufwacht und als Erstes an Dementoren denkt, oder wie sie der Sekretärin am Liebsten die Email-Adresse "sauron@mordor.ork" verpassen würde.

Insgesamt konnte mich der Roman jedoch nicht fesseln und vor allem nach der ersten Hälfte hätte ich ihn des öfteren gerne in die Ecke gepfeffert. Daher kann ich nur 2 von 5 Wolken vergeben.

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