Donnerstag, 4. September 2014

"Wir beide, irgendwann" von Jay Asher und Carolyn Mackler

"Ich kann heute nicht mit Graham Schluss machen, obwohl ich meinen Freunden angekündigt habe, dass ich es bei nächster Gelegenheit tun würde. Stattdessen verstecke ich mich in meinem Zimmer und nehme meinen neuen Computer in Betrieb, während er im Park auf der anderen Straßenseite Ultimate Frisbee spielt. Mein Vater hat mir den Computer geschickt, wieder mal ein Geschenk, das seinem schlechten Gewissen geschuldet ist."



"Wir beide, irgendwann" von Jay Asher und Carolyn Mackler

Verlag: cbt (2012)
Format:  HC, 394 Seiten
ISBN: 978-3-570-16151-7
Preis: 17,99 € [D] 
Originaltitel: "The Future of Us" (2011)

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Inhalt


Im Jahre 1996 gab es Facebook noch gar nicht. Deshalb weiß Emma zunächst auch nicht, was sie davon halten soll, als auf ihrem neuen Computer eine Seite mit diesem Titel erscheint, die offenbar ihr Leben in 15 Jahren zeigt. Sie kann die Liste ihrer zukünftigen Freunde sehen, Name und Aussehen ihres Ehemannes und andere Kleinigkeiten, die die Emma der Zukunft posten wird. Doch scheinbar wird sie in der Zukunft nicht glücklich sein. Deshalb versucht Emma, die Gegenwart so zu ändern, dass die Zukunft sich verändert. Ihr bester Freund Josh, den sie in das Geheimnis eingeweiht hat, ist davon nicht begeistert. Seine Zukunft sieht mehr als rosig aus und er fürchtet, Emma könnte mit ihren Spielereien mehr zerstören, als ihr bewusst ist. Wie recht er damit hat...


Meine Meinung


Ich habe dieses Buch in wenigen Stunden verschlungen und bin immer noch total begeistert von Idee und Umsetzung. Es stecken so viele Wahrheiten darin, und auch die ein oder andere versteckte Gesellschaftskritik, dass ich noch immer über das Leben an sich und unsere Lebenswege philosophiere.

Hauptcharaktere des Buches sind die Schüler Emma und Josh. Sie sind Nachbarn und schon seit Jahren befreundet, doch seit Josh Emma seine Liebe gestanden hat, die diese nicht erwidert, steht etwas zwischen ihnen, das scheinbar unüberbrückbar ist. Beide Protagonisten sind sehr sympathisch, und durch den kapitelweisen Perspektivenwechsel kann man sich sehr gut in beide hineinversetzen. Jeder geht auf seine Weise mit den Geschehnissen um, wobei Josh ein wenig mehr auf dem Teppich bleibt.

Von Emmas Verhalten und späterer Einsicht kann, glaube ich, jeder Leser etwas lernen. Sie ist so auf ihre Zukunft fixiert und darauf, dass sie vielleicht nicht glücklich sein könnte, dass sie die Gegenwart vergisst. Außerdem kreisen all ihre Gedanken um ihren späteren Ehemann, über den sie sich offenbar definiert, dass sie das, was sie selbst will, zeitweise völlig ausblendet.

Ich glaube, jeder von uns hat sich schon mal überlegt wie es wäre, einen Blick in die Zukunft werfen zu können. Nach der Lektüre dieses Buches überlegt es sich der ein oder andere aber vielleicht doch noch einmal anders, zumindest ging es mir so. Plötzlich wurde mir bewusst, welch große Kreise selbst die kleinste Handlung, die am unwichtigsten erscheinende Entscheidung auf die Zukunft haben können. Auf das, was wir sind, was wir werden, wen wir kennen. Wenn wir wüssten, was passiert, würden wir uns anders verhalten, und vielleicht genau damit den Lauf der Geschichte drastisch verändern.

"Du führst gar kein normales Leben mehr, sondern triffst nur noch irgendwelche Entscheidungen, die deine Zukunft verändern sollen." (S. 252)

Diese Aussage von Josh fand ich sehr interessant. Denn was ist das Leben eigentlich anderes, als eine Reihe von Entscheidungen, die wir treffen, um unsere Zukunft zu gestalten? Wir verhalten uns manchmal gar nicht so anders als Emma. Wir wählen einen bestimmten Beruf, weil wir uns dadurch bessere Chancen für die Zukunft erhoffen. Wir gehen Beziehungen ein, von denen wir denken, dass sie ewig halten. Diese eigentlich sehr ungesunde Haltung, die uns die Gegenwart vergessen lässt, wird dem Leser hier schonungslos vorgehalten. Auch die gelegentlichen Angriffe auf Facebook fand ich sehr amüsant. Denn wenn man damals wirklich jemandem erzählt hätte, dass es mal eine Plattform geben würde, auf der jeder von seinem Leben erzählt und Bilder von seinem Haus, seiner Familie, seinem Essen postet, wäre man wohl für verrückt erklärt worden...

Die Story ist also rundum gelungen. Die Sprache des Buches ist jugendlich leicht und gut verständlich und passt damit sehr gut zur Geschichte. Die Kapitel sind kurz und gelegentlich durch Details wie Facebook-Neuigkeiten oder Zettel mit handschriftlichen Nachrichten aufgelockert. Das Cover finde ich persönlich jedoch nicht sehr gut gelungen, auch wenn man nach dem Lesen des Buches schon einen Sinn darin erkennen kann. Aber das Cover tut bei der Bewertung natürlich nichts zur Sache, daher vergebe ich verdiente 5 von 5 Wolken für diesen genialen Roman.

1 Kommentar:

  1. Oh, Jacy du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich über die Rezension hier freue. Ich bin schön öfter über das Buch gestolpert habe aber auch schon so viele schlechte Sachen gehört. Deshalb bin ich echt erleichtert, dass es dir so gut gefallen hat. :)

    Mich hat an dem Buch der Facebook-Aspekt echt angezogen und ich freue mich, dass es in dem Buch dann auch Gesellschaftskritik gibt. Das hatte ich nämlich vermutet und ich wäre enttäuscht gewesen, wenn es nicht so wäre :)

    xoxo
    Jule von Miss Foxy reads

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