Mittwoch, 3. Dezember 2014

"Alaizabel Cray" von Chris Wooding

"Bedrohlich tief kam das Luftschiff daher. Sein langer Bauch schimmerte, vom Licht der Gaslaternen unter ihm getroffen, silbern durch den Nebel. Das schwere Wummern seiner Motoren hallte durch die Straßen des Old Quarter, ließ die schmutzigen Fenster der hohen, dicht gedrängten Reihenhäuser klagend klirren. Wie ein gigantisches, halb bloß sichtbares Tier glitt es über das Gewirr von Gassen und gepflasterten Wegen dahin - zu riesig, um sich um die unbedeutenden Wesen zu scheren, die sie bevölkerten."



"Alaizabel Cray" von Chris Wooding

Verlag: Bastei Lübbe (2002)
Format: TB, 351 Seiten
ISBN: 3-404-20479-4
Preis: 6,90 € [D] 
Originaltitel: The Haunting of Alaizabel Cray (2001)

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Inhalt


Seit der Vernichtung ist das viktorianische London kein beschaulicher Ort mehr und des Nachts ist man seines Lebens nicht mehr sicher: mörderische Hexlinge durchstreifen die Straßen. Auf einem seiner Streifzüge stößt der junge Hexenjäger Thaniel Fox auf die völlig verwirrte Alaizabel Cray. Sie scheint ihr Gedächtnis verloren zu haben, doch dann stellt sich heraus, dass Alaizabel vom Geist der bösen Thatch besessen ist. Diese Entdeckung bringt eine Welle von Ereignissen ins Rollen, denn Thatch wurde von der sogenannten Gilde beschworen, die mit deren Hilfe das Ende der Welt einläuten will. Können Thaniel und seine Freunde das verhindern?


Meine Meinung


Erst nachdem ich das Buch zugeschlagen habe, ist mir bewusst geworden, dass dies das erste Buch des Genres "Steampunk" ist, das ich jemals gelesen habe. Vor über zehn Jahren, bevor ich diesen Stil überhaupt benennen konnte, befand sich dieses Buch bereits in meinem Regal. Ich bin echt geplättet ^^ Glücklicherweise ist das Buch genau so gut, wie ich es in Erinnerung hatte (denn wie wir wissen ändert sich der Geschmack häufig über die Jahre). Es ist ein düsterer und spannender Roman, den man am besten in eine Decke gekuschelt bei Tee und Kerzenlicht genießt.

Obwohl die Hauptcharaktere mit 17 bzw. 18 Jahren recht jung sind, ist das Thema anspruchsvoll und über die Altersempfehlung "ab 12 Jahren" wird viel diskutiert. Ich selbst war nicht viel älter, als ich den Roman das erste Mal gelesen habe, ich muss jetzt aber doch zugeben, dass es teilweise ziemlich hart her geht. Das betrifft sowohl die Wortwahl als auch die Beschreibung von Gewaltszenen, ganz zu schweigen von der Aufklärung am Schluss, die hochphilosophisch ist und die ich, so glaube ich, damals nicht in ihrer Ganzheit begriffen habe. Andererseits ist Harry Potter nicht weniger grausam, daher denke ich, dass es ganz auf den Leser/ die Leserin ankommt, ob er oder sie dem Buch gewachsen ist.

Die Atmosphäre ist eine ganz besondere, ähnlich der in Filmen wie "From Hell", wo es um Jack the Ripper geht. Mich beschlich auch manchmal der Verdacht, dass Marzi's Reihe "Die uralte Metropole" von Wooding inspiriert sein könnte, was ich aber gar nicht schlimm finde. Von Büchern, die die Straßen Londons mit gefährlichen Fantasiewesen bevölkern, kann ich gar nicht genug bekommen. Und Woodings Fantasie hat eine ganze Reihe von ihnen hervorgebracht. Schon vor Jahren, als ich das Buch zum ersten Mal las, habe ich gelernt, dass man sich nachts, wenn man sich von mysteriösen Schritten verfolgt fühlt, nicht öfter als drei Mal umsehen darf... und daran halte ich mich noch immer, man weiß ja nie.

Ihr seht, meine Erinnerung an dieses Buch ist sehr gut, was ich von dem Großteil meiner übrigen Lektüre leider nicht behaupten kann. Allein das spricht schon für sich, denke ich. Ich mich sogar noch sehr genau daran erinnern, wie ich zu diesem Buch gekommen bin. Eine Freundin besaß es nämlich, und das Cover hatte mich sofort angesprochen, so dass ich es mir von ihr geliehen habe. Dann war ich so begeistert, dass ich es mir selbst geholt habe - allerdings die günstigere Taschenbuchversion, was ich immer noch bereue, denn deren Cover finde ich weit weniger interessant. Vielleicht ersetze ich mein Taschenbuch demnächst mal durch das Hardcover ;)

Vielleicht wird es aber auch eine englische Ausgabe. Im Original gibt es auch einige hübsche und aussagekräftige Cover, außerdem gäbe es dort die lästigen Übersetzungsfehler nicht, die mich sehr geärgert haben. Viele Begrifflichkeiten finde ich im Englischen auch weitaus schöner. Die Hexlinge, irritierenderweise im Deutschen oft Hexen genannt, heißen dort schlicht wych und sind somit eine angemessene Wortneuschöpfung. Vielleicht fallen im Englischen auch die vielen Ausrufezeichen weg, die gehäuft vorkommen und das teils an Stellen, wo einfach keine hinpassen. Ich wäre ein wenig schockiert, wäre das eine Eigenheit Woodings.

Wie dem auch sei, Story und Stil (abgesehen von den Ausrufezeichen ^^ ) sind grandios und ich vergebe 5 von 5 Wolken, empfehle aber, sich wegen der Übersetzungsfehler lieber an die Originalausgabe zu halten.

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