Freitag, 13. Februar 2015

"Die Anstalt" von John Katzenbach

"Ich kann meine Stimmen nicht mehr hören und weiß daher nicht so recht weiter. Irgendwie hege ich den Verdacht, dass sie diese Geschichte viel besser erzählen könnten als ich. Wenigstens hätten sie ihre eigenen Ansichten und Vorschläge zu der Frage, was am Anfang und was am Ende uns dazwischenstehen könnte. Sie würden mir sagen, wo ich Details einarbeiten oder überflüssige Informationen aussparen sollte, was unverzichtbar und was trivial für sie ist."




"Die Anstalt" von John Katzenbach

Verlag: Knaur. (2006)
Format: TB, 749 Seiten
ISBN: 978-3-426-62983-3
Preis: 8,95  € [D] 
Originaltitel: The Madman's Tale (2004)

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Inhalt


Francis ist verrückt. Zumindest würden ihn andere so bezeihnen, denn er hört Stimmen, die niemand sonst hören kann. Eine Weile befand er sich deshalb in einer Anstalt, bis diese von einer grauenhaften Mordserie erschüttert und geschlossen wurde. Jetzt, 20 Jahre später, erhält er eine Einladung zu einer Feier beim Western State Hospital, das als Museum wiedereröffnet werden soll. Er fährt hin, doch die Nähe zu dem Ort des Geschehens lässt Erinnerungen und Ängste wieder hochkommen. Zurück in seiner Wohnung beschließt er, aufzuschreiben, was damals geschehen ist. Doch zu den Stimmen in seinem Kopf gesellt sich die Stimme des Engels, wie sie den Mörder damals nannten, und droht ihm mit dem Tod. Doch Francis will nicht aufgeben - die Welt muss erfahren, was wirklich geschah.


Meine Meinung


Lange dachte ich, dieses Buch sei Horror pur und habe es vor mir her geschoben, weil ich selten in Stimmung für einen Horror-Wälzer war. Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich es nicht sehr gruselig fand und auch sonst nicht viel an dem Buch entdecken konnte, was mich begeistert hat.

Zwar hat mich der Roman mehr als ein Mal an Hannibal Lecter erinnert, wozu sicher auch das Umfeld der Nervenheilanstalt beitrug, und mir gefällt auch die Idee, eine solche als Zentrum für einen Psychothriller zu wählen. Dadurch sind die Gesetze der Logik ausgehebelt und kein Schritt  ist vorhersehbar. Trotzdem kam mir einiges unrealistisch vor, vor allem das Verhalten von Person, die ich eigentlich für klüger gehalten habe. Die Staatsanwältin und der intelligente ehemalige Feuerwehrmann tappen in Fallen, die sie eigentlich hätten erkennen müssen, wie sie es schon unzählige Male zuvor getan haben. Sie stellen clever durchdachte Thesen auf, übersehen dabei aber das Offensichtliche.

Dieses erschließt sich im Laufe des Romans dann aber dem damals 20-jährigen Francis und er ist es auch, der uns die Geschichte erzählt. Zunächst bekommt der Leser einen knappen Einblick in seine Lebensgeschichte und was er jetzt, 20 Jahre nach den Ereignissen in der Anstalt, tagein tagaus so macht. Nachdem er dann aber das ehemalige Western State Hospital im Rahmen einer Sponsorenveranstaltung besucht hat, wird er von der Vergangenheit eingeholt und möchte diese aufschreiben - mangels Papier auf seine Wohnzimmerwände. Dass er teilweise als auktorialer Erzähler auftritt, erscheint anfangs nicht ganz schlüssig, doch das gibt sich, als Katzenbach Francis erklären lässt, dass er die Ereignisse rund um das konstruiert, was er von der betreffenden Person erzählt bekommen hat.

Abgesehen vom Anfang ist das Buch so aufgebaut, dass das, was Francis an die Wände schreibt, der eigentliche Roman ist, gelegentlich unterbrochen von gut platzierten Einschüben, die den Leser und Francis selbst zurück in die Wohnung holen. Gelegentlich ergänzen diese Einschübe noch ein fehlendes Puzzlestück oder legen den Köder für das weitere Geschehen aus, was ich für eine sehr gute Taktik halte.

Aber alle gute Taktik nützt nichts, wenn die Charaktere nicht überzeugen und wenn sich die Ereignisse künstlich in die Länge ziehen. Meiner Meinung nach hätte man alles in einen halb so langen Roman packen können, ohne dass Entscheidendes gefehlt hätte. Und mit einer fähigeren Staatsanwältin sähe die Sache auch noch einmal anders aus. Ich vergebe 2 von 5 Wolken.

Ein tolles erwähnenswertes Detail ist übrigens das Cover - die Hand leuchtet im Dunkeln ;)

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