Montag, 9. Februar 2015

"Umweg nach Hause" von Jonathan Evison

"Als ich beschloss, mich um Menschen zu kümmern, die weniger Glück im Leben haben als ich, war ich pleite, also bin ich vielleicht nicht gerade Florence Nightingale. Und wenn man bedenkt, was mit Piper und Jodi passiert ist, bin ich vielleicht nicht mal besonders gut dafür geeignet, mich um Menschen zu kümmern. Tatsache ist, dass ich mit neununddreißig und einer Lücke im Lebenslauf, die den Großteil der technologischen Revolution umspannt, überhaupt nicht mehr für viel geeignet bin."



"Umweg nach Hause" von Jonathan Evison

Verlag: KiWi (2015)
Format: HC, 374 Seiten
ISBN: 978-3-462-04659-5
Preis: 19,99 € [D] 
Originaltitel: The Revised Fundamentals of Caregiving (2012)

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Klappentext


Ben geht’s nicht gut – weder persönlich noch finanziell. Nach einem Crashkurs in »häuslicher Pflege« heuert er bei Trevor an, einem zynischen Jugendlichen, der im Rollstuhl sitzt. Gemeinsam fahren sie mit dem VW-Bus quer durch die USA, um Trevs Vater zu besuchen – eine Reise voller skurriler Abenteuer beginnt. Ben hat einen schrecklichen Schicksalsschlag hinter sich und besitzt keinen Penny mehr, als er die Pflege von Trev übernimmt, der unheilbar krank ist. Sein Vater Bob, ein hoffnungsloser Tollpatsch, sucht gleich nach der Diagnose das Weite, was ihm in der Familie natürlich keiner verzeiht. Doch Ben fühlt mit dem verstoßenen und reuigen Vater und überzeugt Trev, im Auto von Washington State nach Salt Lake City zu fahren, um ihn zu besuchen. Auf dem Weg nehmen sie die Anhalterin Dot mit und kommen an den verrücktesten Sehenswürdigkeiten vorbei. Sie gabeln eine reifenwechselnde Schwangere auf, werden von einem Auto verfolgt, in dem ganz jemand anderes sitzt als vermutet, und lernen schließlich, dass man sich irgendwann seinen Problemen stellen muss. Ein bewegender Roman voller skurriler Situationskomik, der glücklich macht.



Meine Meinung


Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt und begeistert. Es ist traurig, erschreckend, urkomisch und tiefgründig in einem und strahlt dazu noch eine Hoffnung aus, sodass man es nur mit einem Lächeln im Gesicht weglegen kann.

Schon die ersten Sätze verraten dem Leser, dass es nicht nur leichte Kost ist, die ihn hier erwartet. Gleichzeitig hat der Autor ihn damit an der Angel, denn es liegt in der Natur des Menschen, dass er von tragischen Schicksalen angezogen wird. Was ist mit Jodi und Piper geschehen? Wie kommt es, dass Ben pleite ist und die letzten Jahre nichts Lebenslaufrelevantes getan hat?

Erzählt wird die Geschichte vom Protagonisten Ben selbst. In den kurzen Kapiteln befindet er sich abwechselnd in der Gegenwart und der Vergangenheit, die er mit den gegenwärtigen Ereignissen aufzuarbeiten versucht. Die Art und Weise, wie Evison dabei vorgegangen ist, suggeriert, dass dieses Aufarbeiten nicht geplant ist und die Erinnerungen an damals vielmehr unwillkürlich hochkommen, verknüpft mit aktuellen Ereignissen. Eigentlich ist Ben nämlich auf der Flucht vor der Vergangenheit, vor seiner Noch-Frau und dem, den sie ihm vermeintlich auf den Hals gejagt hat.

Doch während er lange nur mit sich selbst und seinem tragischen Schicksal beschäftigt war, merkt er langsam, dass es noch andere Menschen um ihn herum gibt, die ebenfalls ihre Probleme haben, und irgendwie gelernt haben, damit zu leben. Auch ist ihm anfangs gar nicht bewusst, dass Trev für ihn eine ebenso große Hilfe ist, wie umgekehrt. Vor allem, als die beiden sich on the road befinden. Auch die anderen, denen er auf der Reise begegnet - die Ausreißerin Dot und die sonnige Peaches - lassen ihn schließlich erkennen, dass man nicht immer vor seinen Problemen davonlaufen kann. Doch auch die anderen erfahren durch die gemeinsame Zeit im Auto eine Bereicherung und sehen plötzlich, jeder an seinem individuellen Ziel angekommen, die Welt mit anderen Augen.

Das klingt jetzt alles nach einem tiefgründigen und melancholischen Roman, in dem für Humor nicht viel Platz ist. Doch, wie oben schon erwähnt, ist das ganz und gar nicht der Fall! Ich habe so sehr gelacht bei der Lektüre und bin immer noch erstaunt darüber, wie es Evison gelungen ist, stets diesen trockenen Humor beizubehalten, der trotz der Umstände niemals fehl am Platz wirkt.

Dieses Buch macht tatsächlich glücklich - oder lässt einen zumindest seine eigenen Sorgen mit anderen Augen sehen. Ich vergebe 5 von 5 Wolken.

Kommentare:

  1. Ein super schöner Blog und so ein schönes Titel Bild! Das Buch kannte ich noch nicht ich bin mir noch nicht sicher ob es meinen Geschmack trifft aber ich glaube ich werde es lesen :) Ich habe dich auf meinem Blog in der Sidebar als daily nice Blog verlinkt :)) Liebe Grüße, Janina von http://feathertrjbe.blogspot.de/

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    1. Vielen Dank, liebe Janina - ich gebe das Kompliment an meine Freundin weiter, die den Header entworfen und gemalt hat. Auf ihrer Facebook-Seite findest du weitere Werke von ihr: https://www.facebook.com/moya.dtb

      LG Jacy

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)