Mittwoch, 4. März 2015

"Die letzte Plage" von Sarah Pinborough und F. Paul Wilson

""Meinen Sie, das Zeug bringt überhaupt was, oder ist das nur Show, damit wir uns sicher fühlen? Ich kann es mir schon denken. Die Firmen, die diese Insektizide machen, verdienen sich an uns dumm und dusselig." Nigel nahm den Herrn im Nachbarsitz kaum wahr, er war viel zu beschäftigt damit, seinen Schweiß von der Klimaanlage kühlen zu lassen. Dieser Genuss verstärkte noch seine Erleichterung darüber, es überhaupt in das Flugzeug geschafft zu haben. Seine Kreditkarte hatte die dreitausend Pfund für ein Erste-Klasse-Ticket ausgehalten, auch wenn er sich diese Summe normalerweise niemals leisten konnte. Aber darüber würde er sich erst Sorgen machen, wenn er wieder zuhause war."





"Die letzte Plage" von Sarah Pinborugh und F. Paul Wilson

Verlag: Luzifer (2014)
Format: TB, 323Seiten
ISBN: 978-3-95835-014-4
Preis: 12,99 € [D] 
Originaltitel: A Necessary End

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Inhalt


Es ist keine Krankheit, gegen die man etwas ausrichten könnte. Nach dem Biss der mutierten Fliegen, die aus Afrika kamen und mittlerweile die ganze Welt bevölkern, hat man höchstens noch drei Tage zu leben, in denen man aber wie bei einer schweren Grippe dahinvegetiert. Der Journalist Nigel will die Wahrheit herausfinden, doch was er er aus Afrika an Informationen mitbringt, gelangt in falsche Hände und es kommt zur Katastrophe. Die Schuldgefühle und die Erkenntnis, dass seine langjährige Ehe mit Abby den Bach runter geht, treiben ihn dazu, sich auf die Suche nach einem entführten afrikanischen Jungen zu begeben. Was hat er mit der Seuche zu tun? Ist er vielleicht tatsächlich der Schlüssel zur Heilung wie einige fanatische Gläubige behaupten?


Meine Meinung


Endzeitromane! Es gibt Phasen, da kann ich gar nicht genug davon bekommen. Je blutiger und zombiger, desto besser. Doch dieser Roman war anders. Still und leise brach die Apokalypse über die Welt herein - mit nicht minder schlimmen Folgen.

Ich gebe es zu, noch während des Lesens stellte sich eine leichte Enttäuschung bei mir ein. Mord, Totschlag und Gemetzel fehlten, die Welt ging eigentlich recht zivilisiert zugrunde. Auch der offensichtliche Gruselfaktor war meines Erachtens viel zu gering. Doch nachdem ich das Buch weg gelegt hatte, änderte sich meine Ansicht darüber. Gerade dadurch, dass es so ruhig abläuft und keine Zombies die Straßen bevölkern, wirkt die Erzählung sehr realistisch. Im Grunde könnte es jederzeit passieren, dass ein Insekt mutiert und fortan den Tod bringt. Mir lief ein Schauer über den Rücken, als ich mir das so ausmalte.

Die Hauptcharaktere Nigel und seine Frau Abby sind den Autoren äußerst gut gelungen. Sie sind augenscheinlich mit viel Sorgfalt ausgearbeitet worden, denn man kann ihr Denken und Handeln  an jedem Punkt der Geschichte nachvollziehen, auch wenn man nicht alles richtig findet, was sie tun. Dadurch ist auch die Beschreibung der Beziehung zwischen den beiden besonders tiefgründig. Die Entfremdung, die über die Jahre stattgefunden hat, die Gefühle, die noch da sind, aber irgendwie auch wieder nicht - so viel Feinfühligkeit hatte ich in diesem Roman ehrlich gesagt nicht erwartet, doch diese Beziehung verleiht dem Roman einiges an Tiefe und Dramatik.

Ein Kernthema des Romans ist, ohne dass die Autoren dafür Partei ergreifen, die Religion und deren Erklärungen für die Katastrophe. Abby verkörpert den gottesfürchtigen Teil der Menschheit, der in der Plage eine gerechte Strafe beziehungsweise göttliche Selektion zu erkennen glaubt. Doch während sie ihren Glauben mehr oder weniger still lebt, gibt es religiöse Fanatiker, die Jünger um sich scharen und Heilung durch Glaube predigen. Rückblickend betrachtet wirkt auch dieses Szenario sehr realistisch auf mich. Religiöse Fanatiker gibt es überall, und es ist natürlich Wasser auf ihre Mühlen, wenn etwas so Unverorhersehbares wie diese Plage sich ausbreitet.

Durch die Glaubenskomponente kommt aber noch etwas ganz anderes mit ins Spiel. Das Philosophieren über den Menschen, seine Herkunft und seinen Sinn und Zweck auf Erden. Mit Abby und Nigel gibt es zwei Gegenpole, den göttlichen und den wissenschaftlichen, über die sich auch der Leser mit dieser Frage auseinandersetzt. Am Ende steht zwar ganz klar die Bekenntnis zu einem der beiden, doch ebenso das Erkennen, dass das alles unwichtig ist. Das hat mir sehr gut gefallen.

Ich vergebe 4 von 5 Wolken für diesen Roman und bedanke mich nochmals herzlich beim Luzifer-Verlag.

1 Kommentar:

  1. Jetzt habe ich endlich deine Rezension dazu gelesen und ich kann dir bei allen Punkten zustimmen. Nur ist mir die Religion zu stark in den Vordergrund gerückt, denn damit hatte ich nicht gerechnet (hätte ich wohl besser auf den Titel achten sollen) und die Handlung ist mir mittendrin etwas abhanden gekommen.

    Gut rezensiert!

    Liebe Grüße,
    Nicole

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)