Dienstag, 24. März 2015

"Engel und Joe" von Kai Hermann

"Die verdammte Sonne abstellen, Noch mal einschlafen. Null Chance. Die eklige Mischung aus Zigaretten, Pille, Alk und diesem Typen. Im Kopf und auf der Zunge. Die zerstückelten Erinnerungen, die keine Ruhe geben. Sie hat sich mit diesem Idioten gebissen. Vielleicht hätte sie sich von ihm auch noch poppen lassen. Dicht, wie sie war. Okay, sie hat seine Hand dann festgehalten. Und er ist einfach aufgestanden und abgehauen. Weil es ihn wohl nervte, dass sie seine Hand festhielt. Scheiße. Wenn du aufwachst nach so einer Nacht, kannst du eigentlich nur noch sofort sterben."



"Engel und Joe" von Kai Hermann 

Verlag: Ullstein (2004)
Format: TB, 238 Seiten
ISBN:3-548-25936-7
Preis: 6,00 € [D] 

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Inhalt


Die 15-jähirge Joe hält es nicht mehr zu Hause aus. Sie packt ihre Sachen und haut ab, ohne Ziel und Plan. Doch sie kommt nicht weit. Am Alexanderplatz trifft sie auf den 17-jährigen Punk Zorro und es ist Liebe auf den ersten Blick. Sie nennt ihn Engel und sie ist seine Prinzessin. Doch das junge Glück ist bedroht. Von Drogen, Geldsorgen und Zukunftsängsten...


Meine Meinung


Dieses Buch hat meine Jugend begleitet und geprägt. Anlässlich meines Berlin-Trips vor zwei Wochen habe ich es erneut gelesen und war ein weiteres Mal tief berührt.

Ich denke, "Engel und Joe" ist ein Roman, der den Nerv vieler Jugendlicher trifft. Wer fühlt sich in dieser entscheidenden Zeit nicht mal unverstanden oder von aller Welt verlassen, wer möchte nicht mal einfach nur seine Sachen packen und abhauen? Und wer hat sich als Teenie nie Hals über Kopf verliebt und beschlossen, für diese Liebe zu kämpfen, egal wer und was sich dazwischen stellt?

Natürlich ist das Thema, das Hermann in diesem Roman behandelt, noch ein wenig heikler. Sucht nach harten Drogen und Alkohol, das Leben auf der Straße, Prostitution - das erleben zum Glück die wenigsten. Doch der Autor, der auch schon "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" geschrieben hat, versteht es dennoch, dem Leser Sympathie für die Protagonisten zu entlocken. Hermann hat die Sehnsucht nach Selbstbestimmung auf einfühlsame Art darzustellen, ebenso wie das klaustrophobische Gefühl, das manche Menschen innerhalb der Mauern, die unsere Gesellschaft errichtet hat, befällt.

Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund, wie schon die ersten Sätze verdeutlichen, was ich wichtig bei dieser Art von Romanen finde. Beschönigungen und Gerde um den heißen Brei herum wäre hier völlig fehl am Platz. Manche Wendungen waren mir aber unbekannt und wirkten altmodisch und damit ein wenig realitätsfern, so zum Beispiel "sich beißen" anstatt "sich küssen". Trotzdem wird man von der Geschichte mitgerissen, erlebt zusammen mit den Protagonisten das ständige Auf und Ab, die Achterbahnfahrt zwischen Hoffnung und Angst.

Ich vergebe 4 von 5 Wolken für den Roman, der für immer einen Platz in meinem Bücherregal haben wird.

Den Film mochte ich übrigens früher auch sehr gerne, doch mittlerweile gibt es einiges, das mich daran stört. Allen voran die Verlegung des Schauplatzes von Berlin nach Köln. Warum?? Auch das Ende entspricht ganz und gar nicht der Romanvorlage und wurde beschönigt. Natürlich bleibt man so mit einem besseren Gefühl zurück, doch die eigentliche Aussage des Buches geht verloren. Wett gemacht wird dieses - in meinen Augen - Defizit durch einen mitreißenden Soundtrack und gut gedrehte und gespielte Szenen.

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