Montag, 28. September 2015

"Das Haus am Mississippi River" von Laura Lane McNeal

"Manchmal wünscht man sich, man könnte Dinge ändern, sie ungeschehen machen, so tun, als wären sie nie passiert. Genau sdas wünschte sich Ibby Bell, als sie mit großen Augen aus dem Fenster des Autos starrte und sich in den Sitz zurückfallen ließ. Zwischen den hell gestrichenen Cottages und den prächtigen doppelstöckigen Häusern mit den überdachten Balkonen und Veranden gab es eines auf der Prytania Street, das nciht zu ihnen passte."



"Das Haus am Mississippi River" von Laura Lane McNeal

Verlag: Heyne (2014)
Format: TB, 444 Seiten
ISBN: 978-3-453-41041-1
Preis: 9,99 € [D] 
Originaltitel: Dollbaby (2014)


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Klappentext


1964: Als ihr Vater stirbt, kommt die zwölfjährige Ibby Bell zu ihrer Großmutter nach New Orleans. Sie lebt in einem alten Herrschaftshaus, hat zwei schwarze Dienstmädchen und ist die Exzentrik in Person. Bald freundet sich Ibby mit den beiden Dienstmädchen, Queenie und deren Tochter Dollbaby, an. Mit der Zeit lernt sie das Leben im Süden lieben, doch dann wird ihr klar, dass hinter der Fassade des prächtigen Hauses einige Geheimnisse verborgen liegen und dass die Hausherrin eine Vergangenheit hat, die sie um jeden Preis verheimlichen möchte.


Meine Meinung


Auf "Das Haus am Mississippi River" bin ich - wie so oft - beim Stöbern in der Bibliothek gestoßen und das hübsche Cover sowie der verheißungsvolle Klappentext haben mich sofort angesprochen. Ich wurde nicht enttäuscht.

Der Roman ist unterhaltsam und flüssig geschrieben, dabei aber dennoch tiefgründig. Er ist geprägt vom romantischen Südstaatenflair der 1960er Jahre, in denen es jedoch noch immer schwarze Bedienstete gab, die als Menschen zweiter Klasse angesehen wurden und sich selbst nach dem Erlass des Bürgerrechtsgesetztes durch Präsident Johnson noch jahrelang Rassismus gegenübersahen.

Der Leser begleitet die anfangs 12-jährige Ibby von 1964 bis 1972 - ein Zeitraum, in dem viel passiert. Es ist dabei nicht nur das Erwachsenwerden und die Liebe, die Ibby beschäftigen. Es sind vor allem das verkommene alte Haus und die Geheimnisse, die ihre exzentrische Großmutter Fannie, bei der sie nach dem Tod ihres Vaters von ihrer Mutter "abgegeben" wurde, zu verstecken versucht.

Obwohl Ibby eigentlich die Hauptperson des Romans ist, ist sie nur Mittel zum Zweck, denn es geht nicht wirklich um sie, sondern um die Geheimnisse der Vergangenheit, die ihre Großmutter verbirgt. Während sie anfangs völlig ahnungslos ist, ermöglicht die wachsende Freundschaft zu den beiden farbigen Dienstmädchen Queenie und ihrer Tochter Doll Ibby einen zunehmend tieferen Einblick in die Abgründe hinter der Fassade, sodass sich nach und nach der Schleier lüftet. Die Rückblicke sind dabei als Erzählungen gestaltet, die den jeweils Erzählenden wie in einer Erinnerung in die Vergangnheit zurückversetzen. Der damit einhergehende Perspektivenwechsel schafft dabei eine besondere Nähe und Tiefe.

Diese Herangehensweise gefällt mir sehr gut, denn so steht der Leser von Anfang an mit Ibby auf einer Stufe und entdeckt alles durch ihre Augen, was die Spannung enorm steigert. Ich fand es faszinierend dabei zu sein, wenn nach und nach die Geheimnisse aufgedeckt wurden, die Fannie umgeben. Wo kommt sie eigentlich her? Warum hatte sie kaum Kontakt zu Ibbys Vater und was ist mit dessen Bruder geschehen? Doch das größte aller Geheimnisse, das, um dessen Bewahrung Fannie am härtesten gekämpft hat, hält sich bis zum Schluss...

Den deutschen Titel finde ich jetzt, nachdem ich das Buch gelesen habe, nur mittelprächtig. Aus ihm lässt sich zwar schließen, wo der Roman spielt und dass es irgendwie um ein Haus gehen muss, doch der Originaltitel "Dollbaby" stellt von Anfang die Person in den Mittelpunkt, die im Zentrum des ganzen Geschehens ist. In der deutschen Übersetzung merkt man bis zum Ende nichts von Dolls Bedeutung für die Geschichte. Aber mehr möchte ich nicht verraten - lest selbst! Ich vergebe 4 von 5 Wolken.

Übrigens: Häufig wird die Ähnlichkeit dieses Romans zu "Gute Geister" genannt, ich persönlich empfinde die Bücher aber nicht als sehr ähnlich. Klar, beide Geschichten spielen etwa zur gleichen Zeit im ländlichen Süden der USA und es geht um schwarze Dienstmädchen. Bei "Gute Geister" geht es aber viel mehr um tatsächlichen Aktivismus, um Kampf gegen diese Ungerechtigkeit, während in "Das Haus am Mississippi River" mehr die Aufdeckung der Geheimnisse rund um Fannie im Vordergrund steht. Trotzdem - wem "Gute Geister" gefallen hat, dem wird bestimmt auch dieses Buch gefallen.

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