Dienstag, 29. Dezember 2015

"Sturmwelten - Unter schwarzen Segeln" von Christoph Hardebusch

"An die stets wiederkehrenden Schreie hatte er sich längst gewöhnt. An diesem Ort hatte man kaum eine andere Wahl, als sich daran zu gewöhnen; es war nicht möglich, die Frau zum Schweigen zu bringen. Heutzutage hörte er sie kaum noch. Die lange Zeit war dafür verantwortlich. So wie Zeit für vieles verantwortlich war. Mit langsamen Schritten ging er den hell erleuchteten Korridor entlang. Das Licht war diffus, entstand aus der Luft selbst, erschaffen durch Vigoris, die er prickelnd auf seiner Haut spürte. Das Gefühl belebte seinen Geist, und auch sein Leib wurde weniger schwerfällig."


"Sturmwelten - Unter schwarzen Segeln" von Christoph Hardebusch

Verlag: Heyne (2007)
Format: TB, 523 Seiten
ISBN: 978-3-453-52397-5
Preis: 13,00 € [D] 
Teil 2 einer Trilogie

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Achtung! Diese Rezension enthält Spoiler!

Inhalt


Die Aussichten sind düster. Roxane soll vor ein Kriegsgericht gestellt werden, Jaquento droht der Strick. Doch als sie sich der Küste nähern, entdecken sie das vermeintlich verschollene schwarze Schiff und geraten in ein Gefecht. Roxanes Schiff sinkt, doch sie kann sich mit Jaquento und einigen anderen an Land retten. Hier geraten sie in einen Aufstand, den der Poet Franigo anführt und treffen in einem Hafen unverhofft wieder auf das Piratenschiff Todsünde, die die geheimnisvolle Ladung an Bord hat. Gelingt es ihnen dieses Mal, ihrer habhaft zu werden?


Meine Meinung


Nachdem ich vom ersten Band der Sturmwelten-Trilogie so dermaßen begeistert war, musste ich natürlich sofort mit dem zweiten Band weiter machen. Dieser ist ebenfalls sehr gut, konnte mich jedoch nicht ganz so sehr fesseln, wie der Vorgänger.

Der Leser begegnet hier vielen Charakteren, die er schon im ersten Band kennengelernt hat: Roxane, Jaquento, Sinao und Franigo. Über die einzelnen Kapitel, die jeweils die Sicht eines der Charaktere beschreiben, lernt man sie besser kennen und begleitet sie dabei, wie sie selbst neue Seiten an sich entdecken: Sinao entdeckt ihre Magie, Roxane entwickelt sich zu einer Rebellin, Franigo wird zum Kopf der Revolution. Doch es gibt auch neue Charaktere wie zum Beispiel den Admiral Thyrane, dem ebenfalls einzelne Kapitel gewidmet sind, oder bereits erwähnte Personene, dennen jetzt eine größere Nebenrolle zuteil wird.

Die Geschichte knüpft nahtlos an den Vorgänger an. Nachdem Roxane versucht hat, ihr Verhalten vor der Küste der Sklaveninsel zu erklären, soll sie gemeinsam mit Jaquento verhört werden, was für Jaquento den sicheren Tod, für Roxane im besten Fall das Ende ihrer Karriere bedeuten würde. Während die beiden bereits unterwegs zu ihrem Schicksal sind, werden Jaquentos Kameraden zum Dienst gezwungen und die ehemaligen Sklaven wieder eingesperrt. Sinao und der Maestre Manoel konnten den Schergen entgehen und versuchen jetzt, den Freunden auf ihre Weise zu helfen. Währenddessen versucht Admiral Thyrane, die rätselhaften Vorgänge aus Band eins zu klären. Warum wurden auf der Insel Hequia Sklaven gehalten und warum wurde dies von der Compagnie geduldet?

Durch den Admiral kommt eine neue Ebene in die Geschichte, denn Thyrane kann andere Einblicke in die politischen Machenschaften erlangen und ich mochte ihn und seine Moralvorstellungen ziemlich gerne. Ich fand es lustig, wie sich alle Intriganten an ihm, der eigentlich bereits in Rente ist, die Zähne ausbissen: wer nicht mehr nach Macht und Ruhm strebt, den kann man nicht bestechen. Seine Freundschaft zu der ehemaligen Sklavin Sinao fand ich rührend und es hat mich für sie gefreut, dass sie fast so etwas wie einen Vater in ihm gefunden hat. Es hat mich beeindruckt, dass sie nicht stagniert hat - wofür ich in ihrer Situation vollstes Verständnis gehabt hätte - sondern versucht hat, Gerechtigkeit zu erlangen und Rache zu üben. Die Offizierin Roxane tritt in diesem Band ebenfalls aus ihrem Schatten, entkommt den Geistern der Vergangenheit und stellt ihr Talent als Kapitänin und Offizierin mehr als einmal unter Beweis - die Kampfszene vor der Küste ist wirklich atemberaubend!

Jaquento konnte mich in diesem Band hingegen nicht mehr so überzeugen wie im ersten, wo er mehr Gelegenheit dazu hatte, sein schauspielerisches Können und seine Cleverness unter Beweis zu stellen. Auch Sinosh, seine kleine Echse, mochte ich im ersten Band total gerne, während er mir jetzt, wo er sein wahres Ich offenbart, immer unheimlicher wurde. Die Story um seine Erweckung fand ich etwas an den Haaren herbei gezogen, aber nun gut, Hardebusch brauchte nun einmal eine Erklärung dafür, dass Sinosh nur mit Jaquento "reden" kann. Besonders enttäuscht hat mich die Vergeltungsszene zwischen Jaquento und Deguay, dem Kapitän der Todsünde, mit dem es im ersten Band zum Verwürfnis kam. Sie verlief fast im Geheimen und war, bis auf eine kleine Szene recht unspektakulär. Auch das Ende des Kampfes gefiel mir nicht - glücklicherweise ließ Hardebusch den Roman nicht so enden.

Während der erste Band überwiegend auf See spielte, verlagern sich die verschiedenen Handlungsstränge hier zunehmend an Land. Auch die Ziele werden konkreter, da sich einzelne Parteien zusammenschließen. So sind es die Jagd nach dem schwarzen Schiff und seiner geheimnisvollen Ladung, sowie der Bürgerkrieg, die die Geschichte dominieren. Der Roman spielt außerdem gefühlt leider kaum mehr in den Sturmwelten, was ich ziemlich schade fand. Das ist vielleicht auch ein Grund, warum ich von diesem Band nicht so sehr gebannt war. Diese Welt mit ihrem feuchten tropischen Klima hat es mir nunmal angetan. Außerdem kam ich oft nicht mehr mit, wenn es um Politik ging: wer hat jetzt was gegen wen und warum? Auch die ständige unangenehme Spannung zwischen Jaquento und Roxane störte mich und frage mich erstnhaft, warum die beiden so lange brauchen, um zueinander zu finden, Stolz und Ehre hin oder her.

Insgesamt habe ich den Roman aber gerne gelesen und er ist ein guter Nachfolger des fantastischen ersten Bandes. Ich schiebe es vor allem auf die äußerem Umstände der letzten Tage, dass ich mich nicht ganz so sehr auf dieses Buch einlassen konnte, wie ich es wollte. Ich vergebe 4 von 5 Wolken und freue mich auf Band drei, den ich anfang nächsten Jahres hoffentlich in den Händen halten werde.

1 Kommentar:

  1. Huhu,

    da sprichst du mir relativ aus der Seele, ich fande den ersten Band auch herrausragend und war mit dem zweiten nicht mehr so zu frieden, habe ihn aber dennoch gerne gelesen =)

    Viel Spaß mit Band 3!

    Liebste Grüße,
    Vivka

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)