Montag, 29. Februar 2016

"Bighead" von Edward Lee



"Bighead" von Edward Lee

Verlag: Festa (2013)
Format: TB, 351 Seiten
ISBN: 978-3-86552-161-3
Preis: 13,95 € [D] 
Originaltitel: The Bighead (1999)


Inhalt


Nachdem sein Großvater gestorben ist, sitzt Bighead ganz allein in der Hütte irgendwo im tiefen Wald von Virginia. Als das letzte Fleisch verzehrt ist, treibt ihn der Hunger hinaus in "die Welt da draußen", von der er bisher nur von seinem Opa gehört hat... (Festa)

Meine Meinung


Wie bewertet man ein solches Buch, ohne selbst als völliger Freak dazustehen? Am besten gar nicht, habe ich beschlossen, daher fällt diese Rezension unter die Kategorie "Ohne Wertung".

Dieses Buch habe ich vor einigen Jahren im Rahmen eines Gewinnspiels gewonnen und nun endlich gelesen. Mir war nach richtig üblem Horror, für den der Festa Verlag und vor allem der Autor Edward Lee bekannt sind. Filme dieser Art schaue ich immer gerne mal an, wenn es sich ergibt, also warum nicht auch mal ein Buch aus dem Genre Extreme Horror lesen?

Meine Gefühle zu dem Roman sind jedoch zwiegespalten. Lee hat wirklich eine abartige Fantasie und die brutalen und gewalttäigen Sexszenen sind schon hart an der Grenze. Es ist vor allem Gewalt an Frauen, die in diesem Roman dargestellt wird, was mir als Feministin natürlich weniger gut gefallen hat. Gleichzeitig bietet der Roman jedoch teilweise eine gute Story mit interessanten Charakteren. Alle Personen bzw. Gruppen treten kapitelweise abwechselnd auf, stammen aus den unterschiedlichsten Orten und haben unterschiedlichste Geschichten. Langsam bewegen sie sich aufeinander zu, bis es zu einem brutalen Showdown kommt, der alle offenen Fragen beantwortet und das Rätsel löst.

Bighead ist die Hauptperson und Namensgeber des Roman. Abgeschirmt von der Außenwelt lebt er mit seinem Großvater im Wald, der Kopf missgestaltet und der Geist zurückgeblieben. Die beiden Schnapsschmuggler Balls und Dicky fahren scheints den lieben langen Tag nur durch die Gegend und vergreifen sich an Frauen, während die Studentin Charity gemeinsam mit ihrer neuen Freundin Jerrica in der Gegend ist, um ihre Tante Annie zu besuchen. Jerrica will dort eigentlich an einem Artikel für ihre Zeitung arbeiten, doch ihre Sex- und Drogensucht machen ihr selbst in der Einöde der ländlichen USA zu schaffen. Mein liebster Charakter war der des Priesters Tom, der beruflich in der Stadt ist und mir als einer der ausgereiftesten Charaktere des Romans erschien. Er hat eine richtige Story, Prinzipien und sympathische Laster. Ich mochte seine Religiösität, seine Ansichten und sein unpriesterhaftes Fluchen. Mir hat außerdem gefallen, dass er innerhalb der anderen, meist sexbesessenen Figuren unnahbar war, man jedoch trotzdem nicht ganz ausschließen konnte, dass er sich verführen lässt.

Die anderen Charaktere verfügen über weniger Tiefgang, doch auch sie haben Geschichten, die der Leser im Laufe des Romans erfährt. Besonders spannend und bis zum Schluss unklar ist die von Tante Annie. Die von Charity und Jerrica entsprechen hingegen mehr einer Charakterstudie - man erfährt, was ihre Leben geprägt hat und mit welchen Sorgen und Problemen sie sich herumschlagen, doch auch sie zeigen, dass Lee das Gerüst seiner Story stets im Blick hatte und nicht einfach wild drauf los geschrieben hat.

Der Ende des Romans ist absolut absurd und bringt eine völlig andere Wendung in den Roman. Von der Story her wäre ein anderes Ende schlüssiger gewesen, ich denke aber, dass Lee sich mit gutem Grund für einen solch ziemlich lächerlichen Schluss entschieden hat. Durch dieses Ende wird alles vorher gelesene ins Lächerliche gezogen, zumindest ging es mir so. Plötzlich konnte ich lachen, ein wenig Abstand von dem Geschehenen gewinnen und das ganze mehr unter der Kategorie B-Movie verbuchen.

Ich habe dieses Buch schnell gelesen und empfand es als kurzweilig und unterhaltsam. Es hat seinen Zweck erfüllt mich zu gruseln, zu ekeln und abzustoßen, wie es auch ein Film dieser Art getan hätte. Die Warnung des Verlages ist aber absolut gerechtfertigt und zart Besaitete oder Menschen, die selbst Opfer von Gewaltverbrechen sind, sollten einen großen Bogen darum machen. Für Fans des Genres jedoch, die die Sache mit Humor nehmen können, ist "Bighead" genau die richtige Lektüre.

Kommentare:

  1. Hallo Jacy,

    das Buch liegt auch noch bei mir und so ganz traue ich mich noch nicht ran, obwohl ich Lee gewöhnt bin und auch sonst schon so einigen Horror gelesen habe. Ich habe aber gehört, dass "Big Head" nochmal eine ganz andere Hausnummer sein soll.

    LG Steffi

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  2. Hi Steffi,

    ich kannte Lee zuvor noch nicht, habe daher auch keinen Vergleich ob das Buch heftiger ist als andere... aber diese Meinung habe ich schon öfter gelesen.

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)