Sonntag, 27. November 2016

"Die Bienenhüterin" von Sue Monk Kidd


"Die Bienenhüterin" von Sue Monk Kidd

Verlag: btb (2008)
Format: TB, 476 Seiten
ISBN: 978-3-442-73887-8
Preis: 9,99 € [D] 
Originaltitel: The Secret Life of Bees (2002)
Übersetzt von Astrid Mania

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Klappentext


Lilys Mutter ist vor zehn Jahren umgekommen. Ihr Vater herrscht wie ein grausamer Rachegott über die inzwischen Vierzehnjährige. Eines Tages flieht Lily aus der bedrückenden Atmosphäre ihres Elternhauses. Sie findet bei drei Bienenzüchterinnen Unterschlupf, die sie behüten und in die Geheimnisse weiblichen Wissens einweihen. Doch eines Tages steht der Vater am Gartentor...


Meine Meinung


Dieses Buch ist schon eine Weile auf meiner Wunschliste und nachdem ich vor Kurzem den Film dazu gesehen habe (ich konnte einfach nicht widerstehen), wollte ich es nun endlich auch lesen.

Es spielt in den Südstaaten der USA in den 1960er Jahren. Immer mehr Schwarze wagen es, für ihre Rechte einzustehen, was von einem Großteil der weißen Bevölkerung gar nicht gern gesehen wird. Doch obwohl diese unter anderem der Auslöser für die Geschichte ist, tritt die Thematik des Rassismus im Verlauf des Buchs in den Hintergrund. Es geht weniger um Zivilcourage als darum, mit sich selbst und seinem Leben im Reinen zu sein. Darum, sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist. Für Lily ist das schwer. Sie verlor ihre Mutter früh und ihr Vater sollte sich ihrer Meinung nach nicht so nennen dürfen. Sie fühlt sich ungeliebt und wertlos, vor allem als ihr Vater behauptet, ihre Mutter habe sie verlassen wollen, bevor sie unter tragischen Umständen den Tod fand.

Eine große Hilfe in dieser schweren Zeit der Selbstfindung ist ihr Augusta, eine Farbige, die mit ihren beiden Schwestern May und June in einem rosafarbenen Haus lebt und Bienen züchtet. Lilys Weg führt sie dort hin, nachdem sie gemeinsam mit Rosaleen von zu Hause geflohen ist, denn irgendetwas scheint die Schwestern mit Lilys Mutter zu verbinden. Und sie möchte herausfinden, was das ist; herausfinden, ob ihr Vater mit seiner Behauptung vielleicht doch Recht hatte.

Die drei Schwestern sind in meinen Augen etwas ganz Besonderes, jede auf ihre Weise. Augusta ist mütterlich und weise, ohne aufdringlich zu sein. Sie ist gutmütig und geduldig und scheint stets alles richtig zu machen und sowohl Lilys als auch Rosaleens Leben hätte ohne sie wohl eine ganz andere Wendung genommen. June würden andere wohl als schwierig bezeichnen, doch für mich ist sie eine starke und unabhängige junge Frau mit gesundem Misstrauen. Und May schließlich ist zart und sensibel und trägt die Last der Welt auf ihren Schultern. Es muss schwer sein, so empfänglich für den Schmerz der ganzen Welt zu sein und ich könnte mir denken, dass es vielen Menschen so geht wie ihr, die jedoch nicht solchen Halt in ihrer Familie haben.

Lilys Geschichte ist keine "normale" Kleines-Mädchen-wurde-von-der-Mutter-verlassen-und-sucht-nach-ihren-Wurzeln-Geschichte. Von Anfang an ist klar, dass der Tod ihrer Mutter ein tragischer Unfall war, an dem Lily maßgeblich beteiligt war. Ich kann mir nichts Schlimmeres für ein Kind vorstellen. Doch bei allem Mitgefühl wurde ich nicht so richtig warm mit Lily, ohne genau benennen zu können, woran das liegt. Mir gefällt jedoch der Schreibstil, der Lilys oft noch kindliche Gedanken mit einfließen lässt und mich oft zum Grinsen brachte. Es ist immer wieder faszinierend, die Welt durch die Augen von Heranwachsenden zu sehen.

Entsprechend dem Titel spielt auch das Imkern eine große Rolle in diesem Roman und verknüpft besonders Lily und Augusta sowie deren Hilfsarbeiter Zach. Der Prozess der Honiggewinnung wird ausführlich, jedoch nicht langweilig beschrieben und ich habe einiges Interessantes über Bienen erfahren. Jedes Kapitel wird mit einem Sachtext zum Thema Bienen eingeleitet, das informativ ist, zugleich aber faszinierenderweise zu den folgenden Geschehnissen passt.

Von der spirituellen Seite dieser Arbeit ist ebenfalls die Rede. Überhaupt haben die Schwestern eine ganz eigene private Art von Religion gefunden: die Anbetung der Schwarzen Madonna. Es handelt sich dabei um eine interessante Mischung aus Marienkult und eigenen Erfindungen, die mir sehr gefallen hat. Es geht hier nicht um die Anbetung eines strengen Gottes sondern darum, Kraft in sich selbst zu finden. Das sollte meiner Meinung nach eigentlich auch der Sinn von Religion sein.

Ein tiefgründiger Roman über Freundschaft, Familie und die Kraft, die in jeder Frau steckt und nur entfesselt werden muss. Ich vergebe 5 von 5 Wolken. Vielen Dank an den btb-Verlag für die freundliche Zusendung des Rezensionsexemplars.

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