Freitag, 20. Januar 2017

"Der Lauf des Lebens. Geschichten vom Menschsein" von Mona Jaeger


"Der Lauf des Lebens. Geschichten vom Menschsein" von Mona Jaeger

Verlag: Luchterhand (2016)
Format: HC, 190 Seiten
ISBN: 978-3-630-87501-9
Preis: 18,00 € [D] 

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Klappentext


Es gibt Tage im Leben, die haben mehr Gewicht als die Wochen und Monate, die sie umgeben. Es gibt Momente im Leben, in denen die Zeit gleichzeitig stehenzubleiben und zu rasen scheint. Der erste Schultag kann ein solcher Tag sein, der erste Kuss ein solcher Moment. Manchmal mischen sich in solchen Momenten Triumph und Melancholie wie in der ersten Nacht in der eigenen Wohnung, manchmal ereignet sich etwas, das uns verändert, ohne dass es rückgängig zu machen wäre. Manchmal gehen solchen Momenten eigene Entscheidungen voraus, manchmal Eingeständnisse, die den Menschen ohnmächtig machen, manchmal ein unermesslicher Verlust. Sich scheiden lassen, sich eingestehen, dass man unter einer Depression leidet, jemanden begraben, den man liebt. All das sind Momente, die in den Erzählungen dieses Bandes eingefangen sind. (Quelle)


Meine Meinung


In das Cover dieses Buches habe ich mich sofort verliebt. Er passt perfekt zum Titel - die schwungvolle individuelle Handschrift, teilweise verwischt, auf fleckigem Papier. Dieses Bild versinnbildlicht für mich den Lauf des Lebens auf überraschend schlichte, aber dafür umso eindringlichere Weise.

Das ist aber leider auch fast schon alles, was ich an Positivem über dieses Buch sagen kann. Die kurzen Erzählungen folgen dem Lauf zwei verschiedener Menschenleben, dem von Paul und dem von Anna, und greifen chronologisch fortlaufend verschiedene Episoden daraus auf, die von der Autorin wohl als prototypische Meilensteine eines Lebens angesehen werden: Kindheitserinnerungen, der erste Kuss, die erste eigene Wohnung, Hochzeit, Kinder, Scheidung und so weiter. Zunächst dachte ich, dass Paul und Anna sich irgendwann begegnen, was die Auswahl der Charaktere erklärt hätte, doch das ist nicht der Fall, was mich ein wenig gestört hat.

Viel mehr störte es mich jedoch, wie klischeehaft die beiden vorgestellten Leben verlaufen. Als sei es heute ganz normal, dass man heiratet und Kinder bekommt, worauf eine Scheidung inklusive Depression folgen. Dass man sich dann später wieder verliebt und dann eben irgendwann stirbt. In welchem Jahrhundert leben wir denn?? Soll das Buch ein Hinweis darauf sein, dass in unserer Gesellschaft irgendetwas schief läuft? Ich glaube nicht, zumindest wirkte es auf mich nicht so, als sei dies die Intention dahinter.

Bis auf die Geschichten aus der Kindheit sowie der über die erste eigene Wohnung konnte ich mich in keine Geschichte hineinversetzen und ärgerte mich darüber, wie einfach und "planmäßig" die Charaktere gestrickt sind. Die angenehme und im positiven Sinne schmucklose Sprache, die den Zugang zu den Geschichten erleichtert und die Persönlichkeiten der Charaktere unterstreicht, konnte diesen Eindruck auch nicht mehr verbessern. Aber vielleicht geht es mir auch nur so, weil ich für mich einen gänzlich anderen Weg entdeckt habe und mein Leben anders gestalten möchte, als viele es von mir erwarten? Weil ich mich jetzt schon auf einem eher unkonventionellen Weg befinde? Die vielen positiven Stimmen, die es zu diesem Buch gibt, sprechen dafür - bildet euch also eure eigene Meinung.

Ich für meinen Teil vergebe 2 von 5 Wolken. Vielen Dank an den Verlag und das Bloggerportal für die freundliche Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

Kommentare:

  1. Hallo liebes Mädchen in den Wolken :),
    das ist mal eine sehr ehrliche kritische Rezension! Man muss nicht immer positiv von Büchern schreiben, nur weil man ein Rezensionsexemplar erhalten hat. Dann verfehlt man auch irgendwie das Credo der Buchblogger. Viele machen es leider trotzdem, umso mehr habe ich mich gefreut, solche ehrlichen Worte zu lesen!
    Wahrscheinlich wollte die Autorin zeigen, dass es jeden treffen kann. Doch stimme ich dir zu, dass die Art der Lebensläufe, wie sie sie beschreibt schon lang nicht mehr üblich sind. Deshalb bist du auch nicht unkonventionell. Ich finde es auch schade, dass es dann durch das Buch so rüberzukommen scheint, dass man in einer Ehe irgendwann scheitert und eine Depression haben müsse. Heutzutage können wir in der Liebe frei wählen, müssen nicht aus Pflichtgefühl zusammenkommen und auch nicht zusammenbleiben. Depressionen entstehen oft aus Situationen, in denen wir glauben, bleiben zu müssen.
    Schade, dass Buch klang so als würde es in die Richtung von: Das Café am Rande der Welt" gehen. Dann lese ich aber eher erst mal andere Bücher ;-).
    Liebe Grüße
    Luise blättert auf

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  2. Vielen Dank für deinen lieben Kommentar Luis! Hab mich sehr über deine Wortegefreut :) Ich mag es auch nicht, wenn Bücher positiv bewertet werden, nur weil man sie zur Rezension bekommen haben. Wenn ich Rezis lese möchte ich auch die ehrliche Meinung hören. Zum Glück sehen das die meisten Autoren und Verlage auch ein, wobei ich auch schon Kontakt zu einer Selfpublisherin hatte, die mich frei heraus darum gebeten hat, nur etwas positives zu schreiben und falls ich das Buch nicht mögen sollte, lieber nichts darüber zu schreiben. Da geht mir echt der Hut hoch!
    Ich habe "Das Café am Rande der Welt" auch hier, allerdings noch nicht gelesen, daher kann ich beide nicht vergleichen... Aber das hat dir wohl gefallen?
    Und danke! UNKONVENTIONELL war das Wort, das ich die ganze Zeit gesucht hatte! "Unkonservativ" kam mir gleich komisch vor, aber ich bin nicht auf den Fehler gekommen :D

    Liebste Grüße
    Jacy

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Danke für deinen Kommentar! Schau doch bald wieder rein, dann habe ich geantwortet :)